Archiv für die Kategorie „Voicecommunity“

Frische News + Interview + Best Practice Test: Die Schlafwelt-Community

Donnerstag, 15. Juli 2010

 

 
Auch in dieser Woche bieten wir Ihnen in der VOICE Community wieder einen aktuellen Blick in die Welt der Kundeninteraktion zwischen Automatisierung & Personalisierung und präsentieren Technologien & Dienstleistungen rund um das Thema innovative Serviceautomatisierung.

 
 

Noch bis zum 30. August läuft die Ausschreibung für den Live Contest der VOICE Days plus 2010. Der Wettbewerb prämiert Innovationen, die das Kundenerlebnis an den Customer Touchpoints mit neuen Servicekonzepten bereichern. Gesucht werden Entwickler-Teams, die Leistungsfähigkeit live demonstrieren wollen. Melden Sie sich an!

 

Lesen Sie im heutigen Newsletter unser Interview mit Prof. Dr.-Ing. Dieter Spath: “Das Konstruktionsbüro für Dienstleistungen”. Und werfen Sie einen Blick in unsere Rubrik “Best Practice im Fokus”. Dort präsentieren wir die Schlafwelt-Community.

 

Das Gesicht dieser Woche ist Prof. Dr.-Ing. Dieter Spath, Institutsleiter Fraunhofer IAO und Schirmherr der Initiative Smart Service.

 

Viel Vergnügen bei der Lektüre!

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Hej! Anna, der IKEA-Avatar

Montag, 21. Juni 2010

 
Die virtuelle Kollegin beantwortet 24 Stunden am Tag Kundenanfragen



Der Avatar Anna von IKEA gehört zu den dienstältesten in Deutschland. Noch immer wird der Nutzer auf der aktuellen IKEA-Seite an mehreren Stellen auf Anna aufmerksam gemacht. Nach all den Jahren noch so präsent – Anna scheint beliebt und prominent zu sein!
Doch eine Recherche nach Erfahrungsberichten lässt schnell ein anderes Bild entstehen: Anna ist eher unbeliebt und wird bestenfalls belächelt. Nahezu kein Erfahrungsbericht handelt von einer erfolgreichen Interaktion.

 

Ernsthafte Versuche mit Anna Aufgaben zu lösen enden häufig mit der Verzweiflung der Nutzer.

Viele Erfahrungsberichte beziehen sich auch weniger auf ernsthafte Anfragen, sondern auf Versuche, mit Anna Small Talk zu betreiben. Sicher, für einen Avatar eher nebensächlich – aber da die Grenzen zwischen sachlichen Anfragen und Small Talk fließend sind, muss auch dies zu einem gewissen Grad abgedeckt sein. Dass Anna auch hier eher weniger gut abschneidet, zeigt ein unterhaltsames Beispiel, bei dem Anna den Geburtstag eines Kunden standhaft ignoriert.

 

Ob die Nutzerurteile wirklich gerechtfertigt sind, soll ein kurzer Test zeigen.


 
Aufbau

Anna entspricht äußerlich dem schwedischen Klischee: Sie ist hellblond und strahlt Freundlichkeit und Offenheit aus. So ist man sofort mit ihr per Du. Anna trägt Dienstkleidung – das rückt das Inhaltliche stärker in den Vordergrund und animiert den Nutzer dazu, schnell zum Wesentlichen zu kommen. Die Mimik ist zwar nicht variantenreich, orientiert sich aber erkennbar am Text.

 

Gleich zwei Mal wird auf der Index-Seite auf Anna hingewiesen. Wird sie mit einem Maus-Klick aktiviert, öffnet sich ein separates Dialog-Fenster:

 

 

Dieser Aufbau erweist sich als sehr unpraktisch, denn Anna verweist während des Dialogs öfters auf Elemente der Webseite. Doch aktiviert man daraufhin die Webseite, verschwindet das Dialog-Fenster – und umgekehrt. Eine wenig praktikable Handhabung. Für den folgenden Versuch wurde daher das Web-Fenster entsprechend verkleinert und das Dialog-Fenster direkt daneben platziert.

 

Integration von Dialog und Navigation

Der Dialog wird begonnen mit einer einfachen Frage nach Kleiderschränken:

 

Nutzer: Hallo, ich brauche einen neuen Kleiderschrank.
Anna: Hier findest Du eine Übersicht unserer Kleiderschränke.

 

Anna versteht also und öffnet die Seite für Kleiderschränke. Doch leider ist dies nicht sofort erkennbar: Ins Auge fällt als erstes eine Werbung für Klapptische, so dass der Nutzer annehmen muss, die Interaktion ist misslungen:

 

 

Nur der farbige Schriftzug “Kleiderschränke” links unten in der Navigationsleiste weist auf das gewünschte Resultat hin.

 

Kontextbezug und Expertenwissen

Die richtige Seite ist gefunden – aber da man Anna angeblich alles fragen kann, und eine Beratung mehr umfasst als das Auffinden von Seiten, wird die nächste Frage gestellt:

 

Nutzer: Welcher Schrank ist denn für einen Single besonders geeignet?
Anna: Auf unserer Webseite findest Du eine Übersicht unserer Kleiderschränke und Garderoben.

 

Sicher kann diese Antwort so interpretiert werden, dass sie in den Dialog passt – besonders hilfreich ist jedoch nicht.

 

Anna kann also anscheinend keine Detailfragen beantworten, vermutlich weil ihr zweierlei fehlt: Erstens das dafür erforderliche Expertenwissen und zweitens die Fähigkeit, einen Kontextbezug herzustellen. Dies wird besonders deutlich, wenn das Keyword “Schrank” weggelassen wird:

 

Nutzer: Nein, welcher davon ist für Singles geeignet?
Anna: Hin und wieder passiert es, dass ich etwas nicht verstehe, und jetzt gerade ist das der Fall. Dennoch, deine Eingabe wird in meine Weiterentwicklung einfließen.

 

Kontextbezogenheit und Expertenwissen sind zentrale Elemente eines Dialogs. Gleichzeitig sind sie sehr aufwendig zu realisieren. Expertenwissen muss mühsam erstellt, ins System eingepflegt und dort verknüpft werden. Linguistisches Wissen zur Detektion von Kontextbezogenheit muss dem System ähnlich mühsam beigebracht werden. Realistisch gesehen ein viel zu hoher Aufwand für einen eher selten gebrauchten Avatar.
Daher muss klar sein: Welchen Zweck soll der Avatar schwerpunktmäßig erfüllen? Und in welchen bereichern macht es Sinn, Aufwand zu investieren?

 

Ein gut gepflegter Themenbereich bei Anna scheinen die Öffnungszeiten zu sein. Hier läuft der Dialog recht natürlich ab, da auch Kontextwissen simuliert wird:

 

Nutzer: Wie sind denn die Öffnungszeiten meiner Filiale?
Anna: Von welchem IKEA Einrichtungshaus möchtest du die Öffnungszeiten erfahren?
Nutzer: In Berlin.
Anna: Zu welchem Einrichtungshaus in Berlin darf ich dir weitere Informationen geben: Tempelhof, Waltersdorf oder Spandau?
Nutzer: Tempelhof.
Anna: Information über IKEA Berlin Tempelhof findest du auf dieser Website.

 

Dass es sich bei der Kontextbezogenheit um eine Simulation handelt, wird deutlich, wenn “Tempelhof” direkt eingegeben wird – dann gibt Anna die gleiche Antwort. Sie merkt sich also nicht, dass der Nutzer zuvor nach Öffnungszeiten und anschließend nach Berlin gefragt hat.

 

Synonyme

Die Beispiele machen deutlich, dass Anna nach einem einfachen Prinzip vorgeht: Keyword-Spotting. Aus dem Nutzer-Input werden bekannte Keywords herausgefiltert und dann eine Suchanfrage angestoßen – wie man es von gängigen Suchmaschinen kennt. Realistisch betrachtet ist daran nur wenig auszusetzen, denn wegen des hohen Realisierungsaufwandes gehören Kontextbezug und Expertenwissen eher zur Kür eines heutigen kommerziell eingesetzten Avatars.

 

Doch auch mit reinem Keyword-Spotting können theoretisch Erfolge erzielt werden. Ein wertvoller Zusatz ist hier der Einbezug von Synonymen: Zu jeder Anfrage werden Synonyme ermittelt und entsprechende Mehrfach-Suchanfragen gestellt. So erhält der Nutzer z.B. Informationen zu Sofas – unabhängig davon, ob er nach “Sofa” oder oder nach “Couch” fragt. Dies funktioniert so auch bei Anna.

 

Doch Synonyme sind mehr als nur das einfache Austauschen von Wörtern. Synonymie kann sich auch auf Wortketten bis hin zu ganzen Eingaben beziehen, was den Gegenstandsbereich wesentlich anspruchsvoller werden lässt. Um hier Annas Fähigkeiten zu testen, wurde anstelle von “Kleiderschrank” Folgendes eingegeben:

 

Nutzer: Ich brauche etwas, um meine Kleidung aufzuhängen.
Anna: Kannst du mir bitte genau sagen was dir fehlt, damit ich dir weiterhelfen kann?

 

Die Antwort von Anna entspricht nicht den Erwartungen – dabei handelt es sich hierbei um eine in der Praxis realistische Formulierung, die nicht nur die Kleiderschränke mit einschließt, sondern z.B. auch die frei stehende Kleiderstange von IKEA. Offenbar reduzieren sich Synonyme bei Anna eher auf einzelne Worte und weniger auf Wortfolgen.

 

Fazit

Den recherchierten Nutzerurteilen zufolge und nach den Ergebnissen dieses kurzen Tests beschränken sich die Fähigkeiten von Anna eher auf das Herausfiltern von einzelnen Keywords, wobei auch synonyme Formulierungen nicht ausreichend abgedeckt sind. Als Trost für Anna sei darauf hingewiesen, dass heute die meisten kommerziell eingesetzten Avatare über keine weiterreichenden Fähigkeiten verfügen. Auffällig ist im Allgemeinen, dass die Avatare im Bereich Small-Talk über einige “Fähigkeiten” bzw. ausgefeiltere Simulationen verfügen – wohl weil Nutzer dazu neigen, einem Wesen, das Anspruch auf menschliche Eigenschaften erhebt, auf seine Menschlichkeit hin zu testen. Positiv betrachtet ist dies ein erster Schritt hin zu einem natürlichen, virtuellen Gesprächspartner.

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Servicewelt 2015: Das Ende der Warteschleife

Mittwoch, 2. Juni 2010

Nils Müller, Ceo & Founder TrendONE, im Interview mit der VOICE Community

 

VOICE Community: Herr Müller, welche Serviceinnovationen erwarten uns denn in den nächsten fünf Jahren?

 

Nils Müller: Wir sprechen derzeit viel vom Outernet. Im Outernet verschmelzen Produkte und Services in einer intelligenten Einheit, die vom Kunden ganzheitlich als Markenerlebnis wahrgenommen wird. Das Internet explodiert quasi aus dem Computer in die reale Welt. Vor allem auf Produkte, die wir täglich nutzen. Ein BMW z.B. wird direkt mit dem Internet verbunden sein – und ist ja auch heute schon mit dem BMW ConnectedDrive.

 

Dabei sitzen Sie im Auto, drücken auf einen Knopf und sagen: “Ich suche ein Drei-Sterne-Restaurant, in dem ich hervorragend Fisch essen kann.” Und dann bekommen Sie direkt den Support. Das ist das Outernet: Man muss gar keinen Computer mehr starten, sondern das Produkt selbst, in diesem Fall das Auto, ist direkt an das Internet angebunden.

 

So werden in Zukunft über das Web of Things, das Internet der Dinge, alle Produkte internetfähig. Ob das nun Ihre Waschmaschine ist, Ihre Kaffeemaschine oder Ihr Auto – alles ist miteinander vernetzt. Damit werden Produkte zu hybriden Produkten, die unmittelbar mit Serviceleistungen verknüpft sind. Jedes Produkt hat einen direkten Link zur Serviceleistung, zum Feedback, zur Kommunikation und zum Dialog.

 

VOICE Community: Wie verändern derartige Innovationen die Kundeninteraktion, also die Möglichkeiten für den Kunden mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten und umgekehrt?

 

Nils Müller: Bei meinem Laptop ist das eigentlich ganz ähnlich wie bei BMW ConnectedDrive. Ich habe ein IBM ThinkPad Lenovo Laptop. Das Gerät hat auch eine Service-Taste. Wenn ich also einen Servicebedarf habe, drücke ich diese Taste und bin direkt verbunden und kann meine Frage stellen. Und genau das meine ich. Das ist eigentlich das Web of Things, das Internet der Dinge, das die Touchpoints erweitert. Vorher dominierte bei Serviceleistungen der Mensch-zu-Mensch-Kontakt. Durch das Web of Things haben wir jetzt Mensch-zu-Objekt- bzw. Mensch-zu-Produkt-Interaktion.

 

VOICE Community: Das Outernet ist eine Service-Innovation oder ist das für Sie DIE Service-Innovation?

 

Nils Müller: Das ist schon eine ganz zentrale Innovation. Eine andere ist natürlich die weitere Personalisierung durch das Web3.0, also das Semantische Internet. Das Internet wird smart, wodurch viel automatisiert laufen kann.

 

VOICE Community: Können Sie Web3.0 bzw. Semantisches Internet einmal kurz erläutern?

 

Nils Müller: Klar, gerne. Es gibt beispielsweise Suchmaschinen, bei denen Sie direkt Fragen eingeben können. Sie können also z.B. fragen: “Wie ist die beste Verbindung von Paris nach London?” Geben Sie das bei Google ein, erhalten Sie eine Ergebnisliste, die Ihnen wenig weiterhilft. Wenn Sie das aber in intelligenten Suchmaschinen wie z.B. Powerset eingeben, dann bekommen Sie eine intelligente Antwort.

 

VOICE Community: Sie meinen die so genannten “Antwortmaschinen”?

 

Nils Müller: Die Antwortmaschinen, genau. Das ist das semantische Internet, das Smart Web. Das kann natürlich einmal die Semantik benutzen, aber auch den Soziograph, also das Netzwerk des Users. Da gehen wir jetzt in Richtung – und das ist die nächste Service-Innovation – Cloud Computing und Wisdom of Crowds, quasi Wikipedia für Serviceanfragen. Mittlerweile läuft es im Internet ja auch schon so: Wenn ich ein Problem mit meinem Sony Ericsson Telefon habe, dann gehe ich erst einmal ins Internet und versuche da schon einmal eine Antwort zu finden.

 

VOICE Community: Vor zehn Tagen habe ich den Herrn Schirrmacher von der FAZ gehört, der über das Echtzeitinternet philosophierte. Und er erzählte von einem Gespräch, das er mit Eric Schmidt von Google geführt hat, bei dem er sagte: “Wenn so viele Leute ihre digitalen Spuren in Echtzeit hinterlassen, dann lassen sich daraus auch entsprechend Prognosen ableiten.” Das heißt, die Möglichkeit auch Fragen vorwegzunehmen, z.B.: Wo sind denn meine Freunde heute Abend? Oder die Frage: Wird das nächste Britney Spears Konzert gut werden? Oder: Muss ich heute Abend mit Stau rechnen auf meiner Strecke? Also eine wirklich prognostische Wirkung.

 

Nils Müller: Prognose ist wichtig – Echtzeit ist überhaupt ein ganz wichtiges Thema. Im Internet wie im Outernet funktioniert natürlich vieles in Echtzeit. Und das ist eine ganz entscheidende Service-Innovation. Denn wenn Service dort, in den digitalen Medien, in Echtzeit funktioniert, muss er in Callcentern natürlich auch in Echtzeit funktionieren, damit man wettbewerbsfähig bleibt. Das ist eigentlich das Ende der Warteschlange. Denn dem User geht es immer darum: Ich hab jetzt ein Problem und ich brauche Hilfe. Im Endeffekt nimmt er natürlich die Hilfe in Anspruch, die mit der höchsten Geschwindigkeit und in bester Qualität geliefert wird. Eine Service-Nummer ruft er also nur an, wenn diese da auch mithalten kann.

 

VOICE Community: Dieses Phänomen sehen wir heute schon in vielen Bereichen: Ein Kunde ruft erst dann an, wenn alles andere nicht gefruchtet hat. Er hat also schon versucht sich über Foren oder die Webseite und dergleichen zu informieren und das hat alles nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Erst dann wendet er sich direkt an den Anbieter. Für viele Callcenter besteht die Herausforderung jetzt darin, mit diesen informierten Kunden auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ein wichtiger Punkt ist deshalb: Wie baue ich eigentlich für mein Unternehmen eine Wissensbasis auf, um Waffengleichheit zu schaffen.

 

Nils Müller: Genau. Und da müssen Marken zu Helfern werden. Wir nennen das „Brandship“, in Anlehnung an „friendship“. Die Marke wird zum Freund. Und das ist ein Freund, den man jederzeit gerne anruft, mit dem man auf Augenhöhe – genau wie Sie das sagen – sprechen kann, mit dem man sich austauschen kann und der einem immer weiterhilft, nach bestem Wissen und Gewissen.

 

VOICE Community: Über welche Kanäle wird denn die Interaktion Ihres Erachtens nach zukünftig maßgeblich stattfinden? Müssen wir uns davon verabschieden, dass ein Mensch-zu-Mensch-Kontakt stattfindet. Wird sich alles ins Web verlagern, in Foren und Communities. Und selbst wenn das Internet in die reale Welt mündet, was bleibt noch von der Mensch-zu-Mensch-Beziehung?

 

Nils Müller: Das ist immer komplementär. Es gibt immer Situationen, in denen mir die digitalen Medien schneller weiterhelfen. Es gibt aber auch Situationen, bei denen mir Menschen im direkten Kontakt besser weiterhelfen und es gibt Situationen, in denen ich mich an ein Callcenter wende. In fünf Jahren ist vermutlich das Outernet besonders wichtig – eben weil da, wie schon gesagt, die Produkte selber intelligent werden und direkt der Touchpoint sind.

 

Wenn Sie früher eine Schreibmaschine gekauft haben, dann mussten Sie wirklich irgendwo anrufen oder irgendwo hingehen, wenn etwas kaputt war. Jetzt aber, wenn Sie einen Laptop wie ich haben, drücken Sie schlicht auf eine Taste. Genauso wie beim BMW ConnectedDrive. Sie drücken einfach auf den Knopf und sagen: “Ich habe hier ein Problem.” Das heißt, wir vernetzen jetzt nicht nur Mensch-Mensch, sondern people, things, places und time. Das sind die vier Dimensionen: p-t-p-t.

 

VOICE Community: Sie sagen also, in Zukunft wird der Kunde Services über intelligente Produkte in Anspruch nehmen und Informationen, die heute noch mühsam telefonisch oder im Web abgefragt werden müssen, können über die Netzverbindung des Produktes geliefert werden? Das stellt dann ja auch eine andere Art der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunde dar. Wie verändert sich denn aus Ihrer Sicht das Kräfteverhältnis zwischen Unternehmen und Kunde?

 

Nils Müller: Ich glaube, dass durch die Digitalisierung die Transparenz massiv steigt. Jeder hat jetzt Zugang zu allen möglichen Informationen. Und durch diese Transparenz ist natürlich der Nutzer oder Kunde in einer Vormachtstellung, weil er unter Umständen – genau wie Sie sagen – über mehr Informationen verfügt als der Mensch auf der anderen Seite der Leitung im Callcenter, eben weil er sich schon vor seinem Anruf informiert hat. Durch diese Transparenz hat der Kunde einen Wissensvorsprung. Und damit die Marke noch immer einen Vorsprung hat und einen Mehrwert liefert, muss sie Leistung und Qualität steigern.

 

Auch die Anzahl der Player wird größer durch die Transparenz. Dadurch, dass wir plötzlich alles im Internet oder in digitalen Medien recherchieren können, werden wir auch auf ganz viele neue Player aufmerksam: Habe ich z.B. ein Problem mit meinem iPhone und will wissen, wie ich mein iPhone an mein Outlook anschließen kann, rufe ich natürlich nicht bei Apple an, sondern schaue im Internet nach. Und dabei sehe ich, dass sieben andere Handyhersteller eine sehr gute Outlook-Integration bieten. Damit steigt – aus Sicht des Kunden – die Anzahl der Player. Ich sehe also: Sony Ericsson und Nokia können das auch, das ist ja interessant. Da muss man als Unternehmen natürlich zusehen, dass man im Ranking ganz weit oben bleibt. Zuhören ist dabei ganz wichtig. Früher haben Unternehmen einfach in den Markt hinein geschrien und hatten ihre Markenbotschaften und somit eigentlich die Kontrolle – den Hebel in der Hand. Jetzt, durch das Web2.0, sind die Kunden plötzlich untereinander im Dialog und Unternehmen müssen viel mehr zuhören als vorher. Sie müssen genau verfolgen, worüber ihre Kunden sprechen, womit sie sich beschäftigen. Und genau dieses Ohr brauchten Unternehmen früher ja gar nicht. Früher mussten die Unternehmen nur schreien können. Wer am lautesten geschrien hat, hatte gewonnen. Diese Zeiten sind vorbei.

 

VOICE Community: Im Service-Kontext wird derzeit viel darüber diskutiert, wie ich auf diese Informationen, die in den sozialen Medien abgelegt werden, reagieren kann, wie ich quasi in Interaktion treten kann. Einige Firmen bieten Tools, mit deren Hilfe die relevanten User-Posts gefunden werden können. Und dann lässt sich ein Serviceteam darauf ansetzen. Andere setzten auf den Aufbau einer Wissensdatenbank, die Servicemitarbeiter in der Lage versetzt, besser auf Kundenanfragen zu reagieren, weil ihnen damit auch das Wissen der Crowd zur Verfügung steht. Geht man noch einen Schritt weiter, lässt sich basierend auf diesen Wissensdatenbanken richtig interagieren, beispielsweise über einen Chatbot.

 

Nils Müller: Ich glaube, beides ist wichtig. Zuhören: Worüber sprechen unsere Kunden gerade und als Marke auf Augenhöhe mitdiskutieren, einfach an diesem Dialog teilnehmen – aber ganz echt und ehrlich. Und zweitens: Lernen. Zuhören und Lernen. So eine Wissensbasis kann ja auch als Schulungsmaterial für Callcenter-Mitarbeiter genutzt werden.

 

VOICE Community: Ihre zentrale These lautet ja: Der Service muss Teil des Produktes werden. Welche Wege führen denn aus ihrer Sicht dahin und welche Firmen machen das schon zukunftsweisend?

 

Nils Müller: Wenn der Service Teil des Produktes ist, muss man diesen Service auch genau so wie das Produkt designen. Vergleicht man einmal, wie viel Geld in das Produktdesign gesteckt und wie viel Geld ins Servicedesign investiert wird, erkennt man eine Riesendiskrepanz. In Servicedesign wird viel weniger investiert. Dem Kunden aber bietet sich ja das Gesamterlebnis dar.

 

Angenommen ich bin Vodafone-Kunde und habe dort ein Handy erworben. Dann ist natürlich das Handy selbst ein Thema, aber auch die Netzanbindung oder der Tarif. Und ganz besonders wichtig ist: Wie wird mir geholfen, wenn ich Probleme habe und wie werde ich von meinem Provider unterstützt. Das heißt, der Service ist Teil des Gesamtmarkenerlebnisses. Und deshalb muss dieser Service auch genauso intelligent designt werden wie das Handy oder der Tarif usw.

 

Dafür müssen die Anbieter mit Designern zusammenarbeiten. Moderne Designer beschäftigen sich ja nicht nur mit dem Auge, sondern auch damit, was im Kopf stattfindet – sprich dem Prozessdesign. Und da sind wir wieder beim Ende der Warteschleife. Denn das muss in Echtzeit funktionieren. Das ist auch der Weg: Echtzeit, Zuhören, den Kunden involvieren, offene Plattformen schaffen, das Outernet in alle Produkte implementieren und sich mit Trends beschäftigen. Immer schauen, was macht der Kunde jetzt neues, was läuft auf Facebook oder Twitter.

 

Mein Rat ist, sich intensiv mit neuen Kommunikationstrends zu beschäftigen. Wenn man sich mit Trends beschäftigt, erkennt man rechtzeitig die neuen Möglichkeiten und hat auch die Zeit und die Ruhe, abzugleichen, ob ein neuer Trend zu einem passt. Hektisch wird es ja nur, wenn man merkt, ich bin irgendwie zu spät: „Oh, wir haben noch nichts im Web2.0 gemacht, aber alle machen jetzt auf Web2.0, dann müssen wir jetzt auch impulsiv handeln – das ist falsch.

 

VOICE Community: Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch.

 


Nils Müller
Ceo & Founder TrendONE

 

 

Nils Müller ist Gründer und Geschäftsführer von TrendONE. Im IBM Innovation Center startete er seine berufliche Laufbahn und absolvierte ein Masterstudium in Berlin, New York und Mailand. 2002 gründete er TrendONE.

 

TrendONE ist Europas Marktführer in der Analyse von Micro-Trends und Schlüsseltechnologien in schnelllebigen Branchen. Jump into the next digital revolution! Nils ist erfahrener Speaker, der sein Publikum mit seiner packenden Vortragsweise auf zahlreichen internationalen Veranstaltungen fesselt.

 


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Frische News + Interview, Bericht von der SpeechTEK Europe und Best Practice Test des DB Navigator

Mittwoch, 2. Juni 2010

 

 
Auch in dieser Woche bieten wir Ihnen in der VOICE Community wieder einen aktuellen Blick in die Welt der Kundeninteraktion zwischen Automatisierung & Personalisierung und präsentieren Technologien & Dienstleistungen rund um das Thema innovative Serviceautomatisierung.

 

 

Noch bis zum 15. Juni läuft die Ausschreibung für den Smart Service Award 2010. Betreiber und Entwickler innovativer Kunden-Services können ihre Lösungen und Services für den Award anmelden. Die Preisverleihung findet am 12. Oktober im Rahmen der VOICE Days plus statt.

 

Lesen Sie im heutigen Newsletter unser Interview mit Nils Müller von TrendONE: “Servicewelt 2015 – Das Ende der Warteschleife“. Und werfen Sie einen Blick in unsere Rubrik “Best Practice im Fokus”. Dort präsentieren wir den DB Navigator für die Navigation im öffentlichen Personennahverkehr.

 

Und das Gesicht dieser Woche ist Sven Beiling, einer der beiden Gründungsgesellschafter von SCHOLAND & BEILING | Partner.

 

Viel Vergnügen bei der Lektüre!

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Frische News rund um das Thema innovative Serviceautomatisierung

Donnerstag, 6. Mai 2010

 

 
Auch in dieser Woche bieten wir Ihnen in der VOICE Community wieder einen aktuellen Blick in die Welt der Kundeninteraktion zwischen Automatisierung & Personalisierung und präsentieren Technologien & Dienstleistungen rund um das Thema innovative Serviceautomatisierung.

 

 

Die Ausschreibung für den Smart Service Award 2010 ist in vollem Gange. Noch bis zum 31. Mai können Betreiber und Entwickler innovativer Kunden-Services im deutschsprachigen Raum ihre Lösungen und Services anmelden. Die Preisverleihung findet am 12. Oktober im Rahmen der VOICE Days plus statt.

 

Lesen Sie heute den Fachbeitrag “Multi-Channel Selfservice: Soziale Netzwerke und Digital Natives sorgen für drastische Veränderung im Kommunikationsverhalten“. Und werfen Sie einen Blick in die Rubrik “Best Practice im Fokus” – dort präsentieren wir die neue iPhone App “Such-Genie mit Bilderkennung von hiogi“.

 

Und das Gesicht dieser Woche ist Björn Behrendt, Gründer und CEO der hiogi GmbH in Berlin.

 

Viel Vergnügen bei der Lektüre!

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Das Lautmaler Testcenter

Montag, 25. Mai 2009

Im Test:

1. Der paperium Digital Pen und die Handschrifterkennung

Für den VOICE Community Newsletter zum Thema OCR und Handschrifterkennung starteten die LAUTMALER den Selbstversuch mit dem Paperium Digital Pen: Das Paperium schlägt zurück. Willkommen in der JOKE Community!

2. Sophie, die Virtuelle Mitarbeiterin von The Selfservice Company

Sophie, die Virtuelle Mitarbeiterin von The Selfservice Company, ist ein virtueller Berater der neuesten Generation. In den Niederlanden schon seit längerer Zeit in verschiedenen Unternehmen erfolgreich im Einsatz beantwortet sie dort rund vier Millionen Fragen pro Monat mit einer Erkennungsrate von 90 Prozent. Nun ist sie als Beta Version auch in Deutschland beratend tätig.

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Wir übernehmen!

Donnerstag, 18. Dezember 2008

voicecommunity_logo

… die Voice Community Newsletterredaktion.

Nach einigen Jahren erfolgreicher Redaktionsarbeit für den Voice Community Newsletter übergibt der bisherige Chefredakteur Sebastian Paulke zum Jahreswechsel seine Aufgaben an uns.

Ab 15. Januar berichten wir brandaktuell und regelmäßig über MARKT & TRENDS, UNTERNEHMEN & KARRIEREN und TECHNOLOGIE & PRODUKTE aus der Welt der Sprachtechnologie.

Also: Anmelden und lesen!

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Mitarbeiter des Monats Oktober:

Sonntag, 26. Oktober 2008

manja_baudis.jpg

Manja Baudis

“FACE OF THE WEEK” der VOICE Community!

Reschpekt!

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VOICE Days 2008

Freitag, 17. Oktober 2008

… in diesem Jahr erstmals in der neuen Location: den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden! Warum, Herr Steimel?

Get Flash to see this player.

Gestern sind sie dann – laut Veranstalter sogar sehr erfolgreich – zu Ende gegangen: Mit mehr als 1000 Teilnehmern, rund 80 Referenten und über 40 Ausstellern war DAS Herbsevent nach Angabe der Initiative VOICE BUSINESS so gut besucht wie nie.

Und die LAUTMALER?

Mittendrin! Als Prozessbeobachter und Mitglieder der Jury des VOICE Awards. Für uns waren die VOICE Days wirklich ein Gewinn, obwohl wir den Eindruck hatten, dass trotz des neuen Veranstaltungskonzepts die Teilnehmerzahl rückläufig war und die Veranstaltung letztendlich ein reines Branchentreffen geworden ist. Dafür aber ein sehr ideenreich organisiertes! Die Abendgala (oder um es mit Zenos Lieblingswort zu sagen: das Bankett) mit dem eigentlichen Höhepunkt – der Verleihung der VOICE Awards 2008 – hielt, was die Veranstalter vorher versprochen hatten. Und trotz der glamourösen, magentafarben gesponserten Aufmachung der Award-Verleihung schaffte es der diesjährige Laudator Prof. Dr. Manfred Pinkal eine sehr herzliche Atmosphäre zu schaffen, was diesem Treffen von family and friends sehr entgegenkam.

Mehr zu den Nominierten und den Gewinnern gibts hier und hier und demnächst auch ein paar schnittige Fotos von den beiden Veranstaltungstagen.

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Voice-Award 2008: Die Gewinner stehen fest!

Mittwoch, 27. August 2008

Gestern wurden in Saarbrücken die Sieger der diesjährigen Voice-Awards gewählt. Dabei wurde jede Anwendung unter verschiedenen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen: Wirtschaftlichkeit, Innovation und Nutzerfreundlichkeit (VUI-Design). Für die Beurteilung des VUI-Designs waren in diesem Jahr die LAUTMALER zuständig.

Nicht immer waren sich alle Experten sofort einig – denn natürlich hat jeder die Anwendungen aus seinem speziellen Blickwinkel beurteilt. Und eine kostengünstige Produktion und schnelle Amortisierung bedingt nicht zwangsläufig ein gutes VUI-Design oder bemerkenswerte Innovationen. Dennoch kam es am Ende erstaunlich schnell zu einer Einigung.

Verraten wird natürlich noch nichts! Alle Nominierungen und die Sieger werden am 16.10. auf den Voice-Days in Wiesbaden bekanntgegeben.

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