Archiv für die Kategorie „MMI“

Otto: Schlafwelt-Community

Donnerstag, 15. Juli 2010

 
Wissen rund um das Thema Schlafen



Die Schlafwelt-Community hält Wissen rund um das Thema Schlafen bereit. Die Schlafwelt gehört zum Versandhandel Otto, die Community wurde bereitgestellt von hiogi. Das Grundprinzip ist einfach erklärt: Unter dem Motto “Customer helps Cutomer” beantworten Kunden Fragen von Kunden.

Um Qualität zu gewährleisten, dürfen nur ausgewählte “hiogis” die Fragen beantworten – genauer: Nur hiogis, die mindestens den Status “Advanced Brain Level” erreicht haben, d.h. zwischen 100 und 499 Fragen richtig beantwortet haben. Jede Antwort bedarf zudem mindestens einer Verifizierung durch einen anderen hiogi, eine weitere Qualitätssicherung also.



 
Motivation
Wie können möglichst viele qualifizierte Experten für ein Thema gewonnen werden und so die Qualität des Forums sicherstellen? Hier arbeitet hiogi mit klassischen Belohnungssystemen: Für jede Expertenantwort werden sogenannte ogi-Taler verteilt. Ab einer Summe von 20 ogi-Talern pro Monat kann an einem Gewinnspiel teilgenommen werden, wo z.B. kleine Reisen oder Gutscheine verlost werden. Weitere Motivatoren wie z.B. die Antwortduelle sollen die hiogis zusätzlich anspornen.

Hauptfunktionen
Die Applikation kann über vielerlei Kanäle genutzt werden – z.B. Twitter, iPhone, Skype oder per SMS, was die Community auch für “normale” Handy-Nutzer zugänglich macht. Ein sehr sinnvoller Use-Case – etwa dann, wenn vor Ort im Geschäft beim Matratzenkauf eine unabhängige Expertenmeinung eingeholt werden soll. Denn häufig treten ja erst dann die wichtigen Fragen ins Bewusstsein – und nicht etwa schon einen Tag vor dem Kauf. Der Nutzer erhält die Antwort innerhalb relativ kurzer Zeit als kostenlose SMS.

Das Eingabefeld, in dem der Nutzer seine Frage platzieren kann, ist auf der Webseite durch die Überschrift “Was möchten Sie wissen?” sehr prominent angebracht. Allerdings dürfte für nicht alle Nutzer deutlich sein, dass die gestellte Frage direkt an die Community weitergeleitet und für alle sichtbar wird. Denkbar wäre auch, dass eine intelligente semantische Suche innerhalb des Forums angestoßen wird.

Eine solche Suche ist möglich über die klassische Tag-Cloud, rechts auf der Seite. Dem heutigen Standard folgend sind häufige Tags in größerer Schrift gehalten als weniger häufige.

Zu einer ausgewählten Frage erscheinen außerdem weitere, thematisch verwandte Fragen, so dass sich der Nutzer selbstbestimmt einen Themenbereich erschließen kann.

Nutzerfreundlichkeit
Einige Punkte bzgl. der Nutzerfreundlichkeit sind bereits angeklungen. Bei einem kurzen Test, wurde eine einfache Frage an die Community gestellt:

Was ist gesünder, Federkern oder Schaumstoff?

Innerhalb einer halben Stunde lag eine qualifizierte Antwort, inklusive Quellenangaben vor:

Zum Standard bei den Matratzen haben sich längst die Schaumstoffmatratzen entwickelt. Diese unterstützen die schlafende Person punktuell und damit sehr individuell. Im Gegensatz dazu gibt es Federkernmatratzen eine großflächige Unterstützung, wodurch es zu Probleme mit der Wirbelsäule und Materialschwächen kommen kann.
Quelle:
http://www.wissenswertes.at/index.php?id=schaumstoff-matratze
http://www.wissenswertes.at/index.php?id=federkernmatratze
http://www.schlafwelt.de/schlafen/produkte-matratzen?gclid=CJqn07Cy1KI CFQQEZgod3Easyg&et_rp=1

Ihren Zweck hat die Anwendung damit in diesem Fall klar erfüllt. Im Detail gibt es noch kleine Schwächen: Die Tags sind teilweise nicht ausreichend gut bearbeitet: Bei der hier gestellten Frage findet sich als Tag nur “Schaumstoff” – der wesentlich wichtigere Überbegriff “Matratze” taucht nicht auf.

Die sich an jede Frage anschließenden verwandten Fragen werden entweder ausschließlich über die Tags generiert oder aber basieren (zusätzlich) auf einer semantischen Analyse. Letzteres liegt auf den ersten Blick nahe, denn die erste verwandte Frage ist “Wozu sind Grobpolster wichtig?” trägt lediglich den Tag “Matratze”. Denkbar wäre hier, dass “Schaumstoff” im Hintergrund “Matratze” zugeordnet wird, jedoch nicht als expliziter Tag erscheint.



 
Fazit
Die von hiogi realisierte Schlafwelt-Community ist durch ihren Aufbau und die qualitätssichernden Maßnahmen eine Community von hohem Wert. Die angesprochenen Usability-Probleme stehen dem Nutzen der Anwendung nur wenig im Weg – ihre Behebung würde die Community jedoch weiter verbessern.

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Marie von Ebay

Donnerstag, 1. Juli 2010

 
Die virtuelle Kundenberaterin auf dem beliebten Online-Marktplatz


 

Marie – das ist die virtuelle Kundenberaterin von ebay Deutschland. Seit Mitte 2009 hilft sie Nutzern zu allen Themen rund um das Kaufen und Verkaufen auf dem beliebten Online-Marktplatz. Entwickelt wurde Marie von Virtuoz, einer amerikanisch-französischen Firma. Ernsthafte Nutzerbewertungen oder Aufzeichnungen von Konversationen mit Marie finden sich leider nur sehr wenige. Um aber dennoch abschätzen zu können, wie gut Marie als Beraterin funktioniert, wurde sie einem kurzen Test unterzogen.

 



 

Aufbau
Marie ist in Vergleich zu anderen Avataren auf der Webseite nicht sehr präsent angebracht. Auf der Index-Seite finden sich keine Hinweise auf sie – erst nach Aufrufen der Hilfe erscheint Marie im rechten Navigationsmenü. Dadurch wird indirekt vermittelt, dass sie ausschließlich für inhaltliche Hilfestellungen zu Verfügung steht, wenngleich sie auch begrenzt auf Small Talk richtig zu reagieren weiß.

 

 

Der Dialog öffnet sich in einem separaten Fenster, genau wie z.B. bei Anna von IKEA – ein Avatar, der ebenfalls von der VOICE Community evaluiert wurde. Dort hat sich dieser Aufbau als eher unpraktisch erwiesen, weil der Dialog mit der Webseite verzahnt ist und nur entweder die Webseite oder der Dialog aktiv sein kann. Der gleiche Nachteil besteht prinzipiell bei Marie:

 

 

Allerdings schafft das Dialog-Design hier zum Teil Abhilfe: Marie gibt mal ausschließlich im Dialog die passenden Antworten, mal verweist sie auf die Webseite. Diese Verweise werden in Form von Links realisiert, die der Nutzer selbst aktivieren muss. Dies hat den Effekt, dass der Nutzer sich bewusst ist, dass der Dialog nun auf der Webseite fortgesetzt wird, zumal Marie teilweise auch explizit darauf hinweist. Der oben beschriebene nachteilige Aufbau wird auf diese Weise wieder etwas relativiert. Bei Mehrfachanliegen bleibt dieser Aufbau jedoch problematisch.

 

 

Gestik und Mimik sind bei Marie kaum vorhanden. Auch ist der Avatar nicht animiert, so dass sich verschiedene Gestiken, passend zum Text, durch statische Bilder aneinander reihen. Während des Tests hat sich dieses Konzept allerdings nicht als störend erwiesen.
Natürlichkeit wird teilweise dadurch erzeugt, dass nicht immer die gesamte Antwort auf einmal ausgegeben wird, sondern durch den Hinweis “Marie schreibt” unterbrochen ist.

 

Dialog-Design

Maries Antworten erscheinen entweder vollständig im Dialog-Fenster oder sie fasst die Essenz zusammen und stellt weiterführende Links zu Verfügung (in den nachfolgenden Beispielen kursiv gedruckt). Dieser Aufbau erweist sich vor allem dann als sehr praktisch, wenn für Marie mehrere Möglichkeiten in Betracht kommen, denn in diesem Fall wählt der Nutzer einfach per Mausklick die gewünschte Option:

 

Nutzer: Ich habe einen Artikel gekauft, kann ihn aber doch nicht gebrauchen.
Marie: Meinten Sie:
Ich möchte den Artikel nicht mehr kaufen.
Wie melde ich, dass ein Mitglied gegen die eBay-Grundsätze verstößt?
Wie kann ich Artikel kaufen?
Wie schließe ich nach Angebotsende einen Kauf bzw. Verkauf auf eBay ab?

 

Eine Nutzereingabe muss also nicht gezwungenermaßen zu genau einem Ergebnis führen. Dies ist vor allem in zweierlei Hinsicht sinnvoll: Zum einen, wenn die Technologie nicht exakt arbeitet, was bei Dialogsystemen nicht unwahrscheinlich ist (vgl. letztes Beispiel). In diesem Fall gelangt der Nutzer trotzdem schnell und sicher ans Ziel.
Zum anderen ist diese Dialog-Strategie sinnvoll, wenn der Nutzer eine unterspezifizierte Frage stellt. Dann führt der Dialog schneller zum Ziel als eine erneute Nachfrage der gleichen Art – denn der Nutzer versteht sofort, was gemeint ist und wählt außerdem aus Optionen aus, auf die das System sicher eine Antwort weiß:

 

Nutzer: Ich habe eine Frage zu den Bewertungen.
Marie: Meinten Sie:
Ich bin mit meiner erhaltenen Bewertung nicht zufrieden.
Wie gebe ich eine Bewertung ab?
Wie funktioniert das Bewertungssystem?

 

Ebenso schnell und mit den gleichen Vorteilen schaltet Marie in einen geführten Dialog um, wenn zur Klärung des Anliegens mehrere Fragen beantwortet werden müssen. Die jeweils per Mausklick gewählte Antwort erscheint dabei immer als Text im Dialog – so lässt sicher der Verlauf auch im Nachhinein gut nachvollziehen:

 

Nutzer: Der Käufer zahlt nicht, was kann ich tun?
Marie: Sagen Sie mir bitte, vor wie vielen Tagen das Angebot endete?
Vor mehr als 4 Tagen.
Vor weniger als vier Tagen.

Nutzer: Vor mehr als 4 Tagen.
Marie: Haben Sie bereits einen Problemfall wegen eines nicht bezahlten Artikels gemeldet?
Ja.
Nein.

 

Während der geführte Dialog sich durch schnelle, kurze Interaktionen auszeichnet, sind Maries Antworten in anderen Fällen mitunter sehr lang. Um hier die Informationsaufnahme zu erleichtern, werden die Texte entsprechend partitioniert: Jeder Abschnitt bildet ein geschlossenes Subthema, was dem Nutzer sehr hilft:

 

Nutzer: Ich habe eine schlechte Bewertung erhalten. Was kann ich dagegen tun?
Marie: Bewertungen sind grundsätzlich nicht veränderbar und können nur in Ausnahmefällen entfernt oder überarbeitet werden. Diese Ausnahmen finden Sie im Grundsatz zur Löschung von Bewertungen.

Sie haben auch die Möglichkeit, auf die erhaltene Bewertungen zu antworten. Auch kann Ihr Handelspartner seine Bewertung mit einem Ergänzungskommentar versehen.

Verkäufer können außerdem über die Funktion Überarbeitung einer Bewertung beantragen unter bestimmten Umständen ihre Käufer bitten, eine für Sie abgegebene neutrale oder negative Bewertung zu berichtigen.

 

Technologie

Die zugrunde liegende Technologie scheint verhältnismäßig ausgefeilt zu sein. Marie reagiert nicht nur auf ein Keyword pro Anfrage, sondern auch auf mehrere. Auch scheint die Reihenfolge und die Position der Keywords eine Rolle zu spielen. Allerdings hat auch dieser Mechanismus seine klaren Grenzen: Synonyme erkennt Marie zwar auf Wortebene zuverlässig – so wird z.B. “Produkt” als Synonym für “Artikel” erkannt. Synonyme Formulierungen hingegen, also Synonyme auf Phrasen- oder Satzebene, führen in die Irre:

 

Nutzer: Wie kann ich sicher sein, dass ein Produkt gut ist?
Marie: Danke sehr. Wie kann ich Ihnen noch weiterhelfen?
Nutzer: Woher weiß ich, dass ein Produkt gut ist?
Marie: Ich habe Sie nicht verstanden. Könnten Sie sich bitte anders ausdrücken? Ich stehe zu Ihrer Verfügung, wenn Sie Fragen haben.
Nutzer: Woher weiß ich, ob ich dem Verkäufer trauen kann?
Marie: Ich habe so viel Arbeit.
Nutzer: Woher weiß ich, dass der Verkäufer kein Betrüger ist?
Marie: Informationen zum sicheren Kaufen finden Sie unter Online-Sicherheit: Übersicht.

 

Offenbar reagiert Marie hier nur auf die Keywords “Verkäufer” und “Betrüger”, während alle anderen synonymen Formulierungen ins Leere führen. Allerdings sind synonyme Formulierungen auch weitaus schwieriger zu realisieren als Synonyme auf Wortebene, so dass dies vor allem im Vergleich zu anderen kommerziellen Avataren nicht als schwerwiegender Nachteil gewertet werden kann.

 

Ähnlich wie bei den Synonymen steht es bei Marie mit der sprachlichen Kontextbezogenheit und dem Diskurswissen. Auch diese sind nicht optimal umgesetzt:

 

Nutzer: Ich will den Artikel doch nicht haben.
Marie: Als Käufer müssen Sie für einen ersteigerten bzw. gekauften Artikel den festgelegten Kaufpreis zahlen.

Dies gilt auch dann, wenn Sie in der Zwischenzeit Ihre Meinung über den Artikel geändert haben oder Ihnen der Preis des Artikels nun doch zu hoch erscheint.

Wenn Sie dem Verkäufer offen und ehrlich sagen, dass Sie vom Kauf zurücktreten möchten, gehen die meisten Verkäufer darauf ein. , erklären Sie ihm die Situation und versuchen Sie, sich mit ihm zu einigen. […]
Nutzer: Der Verkäufer möchte den Artikel nicht zurücknehmen, ich habe schon mit ihm gesprochen.
Marie: Ich weiß es nicht mehr wirklich. Wie kann ich Ihnen noch weiterhelfen?

 

Die zweite Nutzereingabe kann offensichtlich überhaupt nicht in Bezug zum bisherigen Diskurs gesetzt werden, so dass die Interaktion sehr schnell an ihre Grenzen stößt. Doch auch hier gilt: Es handelt sich um ein schwer zu realisierendes Feature, das wohl kaum ein kommerzieller Avatar beherrscht.

 

Trotz dieser Unzulänglichkeiten verfügt Marie jedoch anscheinend über eine Art Dialogmanager, denn Sie merkt sich mitunter Nutzereingaben. So weiß sie, ob eine Frage bereits gestellt wurde oder sie führt einen für die Anfrage notwendigen Login durch und greift das Thema anschließend wieder auf. Allerdings bleibt aus Nutzersicht häufig unklar, weshalb überhaupt ein Login durchgeführt werden muss (z.B. bei der Frage: “Wie funktioniert ebay?”).

 

Fazit

Marie ist eine brauchbare Hilfestellung für die Verwendung von ebay. Unexaktheiten in der Technologie, die bei Dialogsystemen grundsätzlich nicht komplett verhindert werden können, werden durch das Dialog-Design meist solide abgefedert. Die Technologie ist überdurchschnittlich gut, die Dialogführung zielgerichtet und schnörkellos, was die Fehleranfälligkeit verringert und einen erfolgreichen Fallabschluss wahrscheinlicher werden lässt. Insgesamt merkt man Marie deutlich an, dass sie aus professioneller Hand stammt.

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Hej! Anna, der IKEA-Avatar

Montag, 21. Juni 2010

 
Die virtuelle Kollegin beantwortet 24 Stunden am Tag Kundenanfragen



Der Avatar Anna von IKEA gehört zu den dienstältesten in Deutschland. Noch immer wird der Nutzer auf der aktuellen IKEA-Seite an mehreren Stellen auf Anna aufmerksam gemacht. Nach all den Jahren noch so präsent – Anna scheint beliebt und prominent zu sein!
Doch eine Recherche nach Erfahrungsberichten lässt schnell ein anderes Bild entstehen: Anna ist eher unbeliebt und wird bestenfalls belächelt. Nahezu kein Erfahrungsbericht handelt von einer erfolgreichen Interaktion.

 

Ernsthafte Versuche mit Anna Aufgaben zu lösen enden häufig mit der Verzweiflung der Nutzer.

Viele Erfahrungsberichte beziehen sich auch weniger auf ernsthafte Anfragen, sondern auf Versuche, mit Anna Small Talk zu betreiben. Sicher, für einen Avatar eher nebensächlich – aber da die Grenzen zwischen sachlichen Anfragen und Small Talk fließend sind, muss auch dies zu einem gewissen Grad abgedeckt sein. Dass Anna auch hier eher weniger gut abschneidet, zeigt ein unterhaltsames Beispiel, bei dem Anna den Geburtstag eines Kunden standhaft ignoriert.

 

Ob die Nutzerurteile wirklich gerechtfertigt sind, soll ein kurzer Test zeigen.


 
Aufbau

Anna entspricht äußerlich dem schwedischen Klischee: Sie ist hellblond und strahlt Freundlichkeit und Offenheit aus. So ist man sofort mit ihr per Du. Anna trägt Dienstkleidung – das rückt das Inhaltliche stärker in den Vordergrund und animiert den Nutzer dazu, schnell zum Wesentlichen zu kommen. Die Mimik ist zwar nicht variantenreich, orientiert sich aber erkennbar am Text.

 

Gleich zwei Mal wird auf der Index-Seite auf Anna hingewiesen. Wird sie mit einem Maus-Klick aktiviert, öffnet sich ein separates Dialog-Fenster:

 

 

Dieser Aufbau erweist sich als sehr unpraktisch, denn Anna verweist während des Dialogs öfters auf Elemente der Webseite. Doch aktiviert man daraufhin die Webseite, verschwindet das Dialog-Fenster – und umgekehrt. Eine wenig praktikable Handhabung. Für den folgenden Versuch wurde daher das Web-Fenster entsprechend verkleinert und das Dialog-Fenster direkt daneben platziert.

 

Integration von Dialog und Navigation

Der Dialog wird begonnen mit einer einfachen Frage nach Kleiderschränken:

 

Nutzer: Hallo, ich brauche einen neuen Kleiderschrank.
Anna: Hier findest Du eine Übersicht unserer Kleiderschränke.

 

Anna versteht also und öffnet die Seite für Kleiderschränke. Doch leider ist dies nicht sofort erkennbar: Ins Auge fällt als erstes eine Werbung für Klapptische, so dass der Nutzer annehmen muss, die Interaktion ist misslungen:

 

 

Nur der farbige Schriftzug “Kleiderschränke” links unten in der Navigationsleiste weist auf das gewünschte Resultat hin.

 

Kontextbezug und Expertenwissen

Die richtige Seite ist gefunden – aber da man Anna angeblich alles fragen kann, und eine Beratung mehr umfasst als das Auffinden von Seiten, wird die nächste Frage gestellt:

 

Nutzer: Welcher Schrank ist denn für einen Single besonders geeignet?
Anna: Auf unserer Webseite findest Du eine Übersicht unserer Kleiderschränke und Garderoben.

 

Sicher kann diese Antwort so interpretiert werden, dass sie in den Dialog passt – besonders hilfreich ist jedoch nicht.

 

Anna kann also anscheinend keine Detailfragen beantworten, vermutlich weil ihr zweierlei fehlt: Erstens das dafür erforderliche Expertenwissen und zweitens die Fähigkeit, einen Kontextbezug herzustellen. Dies wird besonders deutlich, wenn das Keyword “Schrank” weggelassen wird:

 

Nutzer: Nein, welcher davon ist für Singles geeignet?
Anna: Hin und wieder passiert es, dass ich etwas nicht verstehe, und jetzt gerade ist das der Fall. Dennoch, deine Eingabe wird in meine Weiterentwicklung einfließen.

 

Kontextbezogenheit und Expertenwissen sind zentrale Elemente eines Dialogs. Gleichzeitig sind sie sehr aufwendig zu realisieren. Expertenwissen muss mühsam erstellt, ins System eingepflegt und dort verknüpft werden. Linguistisches Wissen zur Detektion von Kontextbezogenheit muss dem System ähnlich mühsam beigebracht werden. Realistisch gesehen ein viel zu hoher Aufwand für einen eher selten gebrauchten Avatar.
Daher muss klar sein: Welchen Zweck soll der Avatar schwerpunktmäßig erfüllen? Und in welchen bereichern macht es Sinn, Aufwand zu investieren?

 

Ein gut gepflegter Themenbereich bei Anna scheinen die Öffnungszeiten zu sein. Hier läuft der Dialog recht natürlich ab, da auch Kontextwissen simuliert wird:

 

Nutzer: Wie sind denn die Öffnungszeiten meiner Filiale?
Anna: Von welchem IKEA Einrichtungshaus möchtest du die Öffnungszeiten erfahren?
Nutzer: In Berlin.
Anna: Zu welchem Einrichtungshaus in Berlin darf ich dir weitere Informationen geben: Tempelhof, Waltersdorf oder Spandau?
Nutzer: Tempelhof.
Anna: Information über IKEA Berlin Tempelhof findest du auf dieser Website.

 

Dass es sich bei der Kontextbezogenheit um eine Simulation handelt, wird deutlich, wenn “Tempelhof” direkt eingegeben wird – dann gibt Anna die gleiche Antwort. Sie merkt sich also nicht, dass der Nutzer zuvor nach Öffnungszeiten und anschließend nach Berlin gefragt hat.

 

Synonyme

Die Beispiele machen deutlich, dass Anna nach einem einfachen Prinzip vorgeht: Keyword-Spotting. Aus dem Nutzer-Input werden bekannte Keywords herausgefiltert und dann eine Suchanfrage angestoßen – wie man es von gängigen Suchmaschinen kennt. Realistisch betrachtet ist daran nur wenig auszusetzen, denn wegen des hohen Realisierungsaufwandes gehören Kontextbezug und Expertenwissen eher zur Kür eines heutigen kommerziell eingesetzten Avatars.

 

Doch auch mit reinem Keyword-Spotting können theoretisch Erfolge erzielt werden. Ein wertvoller Zusatz ist hier der Einbezug von Synonymen: Zu jeder Anfrage werden Synonyme ermittelt und entsprechende Mehrfach-Suchanfragen gestellt. So erhält der Nutzer z.B. Informationen zu Sofas – unabhängig davon, ob er nach “Sofa” oder oder nach “Couch” fragt. Dies funktioniert so auch bei Anna.

 

Doch Synonyme sind mehr als nur das einfache Austauschen von Wörtern. Synonymie kann sich auch auf Wortketten bis hin zu ganzen Eingaben beziehen, was den Gegenstandsbereich wesentlich anspruchsvoller werden lässt. Um hier Annas Fähigkeiten zu testen, wurde anstelle von “Kleiderschrank” Folgendes eingegeben:

 

Nutzer: Ich brauche etwas, um meine Kleidung aufzuhängen.
Anna: Kannst du mir bitte genau sagen was dir fehlt, damit ich dir weiterhelfen kann?

 

Die Antwort von Anna entspricht nicht den Erwartungen – dabei handelt es sich hierbei um eine in der Praxis realistische Formulierung, die nicht nur die Kleiderschränke mit einschließt, sondern z.B. auch die frei stehende Kleiderstange von IKEA. Offenbar reduzieren sich Synonyme bei Anna eher auf einzelne Worte und weniger auf Wortfolgen.

 

Fazit

Den recherchierten Nutzerurteilen zufolge und nach den Ergebnissen dieses kurzen Tests beschränken sich die Fähigkeiten von Anna eher auf das Herausfiltern von einzelnen Keywords, wobei auch synonyme Formulierungen nicht ausreichend abgedeckt sind. Als Trost für Anna sei darauf hingewiesen, dass heute die meisten kommerziell eingesetzten Avatare über keine weiterreichenden Fähigkeiten verfügen. Auffällig ist im Allgemeinen, dass die Avatare im Bereich Small-Talk über einige “Fähigkeiten” bzw. ausgefeiltere Simulationen verfügen – wohl weil Nutzer dazu neigen, einem Wesen, das Anspruch auf menschliche Eigenschaften erhebt, auf seine Menschlichkeit hin zu testen. Positiv betrachtet ist dies ein erster Schritt hin zu einem natürlichen, virtuellen Gesprächspartner.

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VOICE Days plus 2010: Live Contest – Der Innovationswettbewerb

Montag, 21. Juni 2010

 
JETZT ANMELDEN!

Seit 15. Juni läuft die Ausschreibung für den Live Contest der VOICE Days plus 2010. Der zum siebten Mal stattfindende Wettbewerb prämiert Innovationen, die das Kundenerlebnis an den Customer Touchpoints Telefon, Internet und Mobile mit neuen Servicekonzepten bereichern. Bei diesem Wettbewerb steht die Kundeninteraktion im Fokus: Gesucht werden Lösungen, bei denen sich die Mensch-Maschine-Interaktion besonders innovativ gestaltet.

 

Der Contest wird als eine offene Ausschreibung für die besten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit Geschäftspotenzial durchgeführt. Gesucht sind Entwickler-Teams, die Leistungsfähigkeit live demonstrieren wollen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Neben der vollständigen Einreichung der Bewerbung bis zum 30. August müssen alle Teilnehmer nachweisen, dass sich das Produkt noch nicht im kommerziellen Betrieb befindet.

 

Alle Einreichungen werden von einem Expertenteam bewertet. Die Finalisten präsentieren ihre Entwicklung am 13. Oktober live auf den VOICE Days plus in Nürnberg. Die Sieger werden durch das abschließende Publikums-Voting ermittelt.

 

Wichtige Termine

 

15. Juni: Bewerbungsstart
30. August: Ausschreibungsende
27. September: Bekanntgabe Finalisten
12. Oktober: Test Live Vorführung
13. Oktober, 14.00h: Live Contest
13. Oktober, 16.00h: Siegerehrung und Übergabe der Trophäen

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MMI – Mensch-Mixer-Interaktion

Sonntag, 26. Oktober 2008

Ist das der Gewinner des Voice Award 09??

Kelly Dobson & Blendie

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