Archiv für die Kategorie „Test“

Otto: Schlafwelt-Community

Donnerstag, 15. Juli 2010

 
Wissen rund um das Thema Schlafen



Die Schlafwelt-Community hält Wissen rund um das Thema Schlafen bereit. Die Schlafwelt gehört zum Versandhandel Otto, die Community wurde bereitgestellt von hiogi. Das Grundprinzip ist einfach erklärt: Unter dem Motto “Customer helps Cutomer” beantworten Kunden Fragen von Kunden.

Um Qualität zu gewährleisten, dürfen nur ausgewählte “hiogis” die Fragen beantworten – genauer: Nur hiogis, die mindestens den Status “Advanced Brain Level” erreicht haben, d.h. zwischen 100 und 499 Fragen richtig beantwortet haben. Jede Antwort bedarf zudem mindestens einer Verifizierung durch einen anderen hiogi, eine weitere Qualitätssicherung also.



 
Motivation
Wie können möglichst viele qualifizierte Experten für ein Thema gewonnen werden und so die Qualität des Forums sicherstellen? Hier arbeitet hiogi mit klassischen Belohnungssystemen: Für jede Expertenantwort werden sogenannte ogi-Taler verteilt. Ab einer Summe von 20 ogi-Talern pro Monat kann an einem Gewinnspiel teilgenommen werden, wo z.B. kleine Reisen oder Gutscheine verlost werden. Weitere Motivatoren wie z.B. die Antwortduelle sollen die hiogis zusätzlich anspornen.

Hauptfunktionen
Die Applikation kann über vielerlei Kanäle genutzt werden – z.B. Twitter, iPhone, Skype oder per SMS, was die Community auch für “normale” Handy-Nutzer zugänglich macht. Ein sehr sinnvoller Use-Case – etwa dann, wenn vor Ort im Geschäft beim Matratzenkauf eine unabhängige Expertenmeinung eingeholt werden soll. Denn häufig treten ja erst dann die wichtigen Fragen ins Bewusstsein – und nicht etwa schon einen Tag vor dem Kauf. Der Nutzer erhält die Antwort innerhalb relativ kurzer Zeit als kostenlose SMS.

Das Eingabefeld, in dem der Nutzer seine Frage platzieren kann, ist auf der Webseite durch die Überschrift “Was möchten Sie wissen?” sehr prominent angebracht. Allerdings dürfte für nicht alle Nutzer deutlich sein, dass die gestellte Frage direkt an die Community weitergeleitet und für alle sichtbar wird. Denkbar wäre auch, dass eine intelligente semantische Suche innerhalb des Forums angestoßen wird.

Eine solche Suche ist möglich über die klassische Tag-Cloud, rechts auf der Seite. Dem heutigen Standard folgend sind häufige Tags in größerer Schrift gehalten als weniger häufige.

Zu einer ausgewählten Frage erscheinen außerdem weitere, thematisch verwandte Fragen, so dass sich der Nutzer selbstbestimmt einen Themenbereich erschließen kann.

Nutzerfreundlichkeit
Einige Punkte bzgl. der Nutzerfreundlichkeit sind bereits angeklungen. Bei einem kurzen Test, wurde eine einfache Frage an die Community gestellt:

Was ist gesünder, Federkern oder Schaumstoff?

Innerhalb einer halben Stunde lag eine qualifizierte Antwort, inklusive Quellenangaben vor:

Zum Standard bei den Matratzen haben sich längst die Schaumstoffmatratzen entwickelt. Diese unterstützen die schlafende Person punktuell und damit sehr individuell. Im Gegensatz dazu gibt es Federkernmatratzen eine großflächige Unterstützung, wodurch es zu Probleme mit der Wirbelsäule und Materialschwächen kommen kann.
Quelle:
http://www.wissenswertes.at/index.php?id=schaumstoff-matratze
http://www.wissenswertes.at/index.php?id=federkernmatratze
http://www.schlafwelt.de/schlafen/produkte-matratzen?gclid=CJqn07Cy1KI CFQQEZgod3Easyg&et_rp=1

Ihren Zweck hat die Anwendung damit in diesem Fall klar erfüllt. Im Detail gibt es noch kleine Schwächen: Die Tags sind teilweise nicht ausreichend gut bearbeitet: Bei der hier gestellten Frage findet sich als Tag nur “Schaumstoff” – der wesentlich wichtigere Überbegriff “Matratze” taucht nicht auf.

Die sich an jede Frage anschließenden verwandten Fragen werden entweder ausschließlich über die Tags generiert oder aber basieren (zusätzlich) auf einer semantischen Analyse. Letzteres liegt auf den ersten Blick nahe, denn die erste verwandte Frage ist “Wozu sind Grobpolster wichtig?” trägt lediglich den Tag “Matratze”. Denkbar wäre hier, dass “Schaumstoff” im Hintergrund “Matratze” zugeordnet wird, jedoch nicht als expliziter Tag erscheint.



 
Fazit
Die von hiogi realisierte Schlafwelt-Community ist durch ihren Aufbau und die qualitätssichernden Maßnahmen eine Community von hohem Wert. Die angesprochenen Usability-Probleme stehen dem Nutzen der Anwendung nur wenig im Weg – ihre Behebung würde die Community jedoch weiter verbessern.

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Marie von Ebay

Donnerstag, 1. Juli 2010

 
Die virtuelle Kundenberaterin auf dem beliebten Online-Marktplatz


 

Marie – das ist die virtuelle Kundenberaterin von ebay Deutschland. Seit Mitte 2009 hilft sie Nutzern zu allen Themen rund um das Kaufen und Verkaufen auf dem beliebten Online-Marktplatz. Entwickelt wurde Marie von Virtuoz, einer amerikanisch-französischen Firma. Ernsthafte Nutzerbewertungen oder Aufzeichnungen von Konversationen mit Marie finden sich leider nur sehr wenige. Um aber dennoch abschätzen zu können, wie gut Marie als Beraterin funktioniert, wurde sie einem kurzen Test unterzogen.

 



 

Aufbau
Marie ist in Vergleich zu anderen Avataren auf der Webseite nicht sehr präsent angebracht. Auf der Index-Seite finden sich keine Hinweise auf sie – erst nach Aufrufen der Hilfe erscheint Marie im rechten Navigationsmenü. Dadurch wird indirekt vermittelt, dass sie ausschließlich für inhaltliche Hilfestellungen zu Verfügung steht, wenngleich sie auch begrenzt auf Small Talk richtig zu reagieren weiß.

 

 

Der Dialog öffnet sich in einem separaten Fenster, genau wie z.B. bei Anna von IKEA – ein Avatar, der ebenfalls von der VOICE Community evaluiert wurde. Dort hat sich dieser Aufbau als eher unpraktisch erwiesen, weil der Dialog mit der Webseite verzahnt ist und nur entweder die Webseite oder der Dialog aktiv sein kann. Der gleiche Nachteil besteht prinzipiell bei Marie:

 

 

Allerdings schafft das Dialog-Design hier zum Teil Abhilfe: Marie gibt mal ausschließlich im Dialog die passenden Antworten, mal verweist sie auf die Webseite. Diese Verweise werden in Form von Links realisiert, die der Nutzer selbst aktivieren muss. Dies hat den Effekt, dass der Nutzer sich bewusst ist, dass der Dialog nun auf der Webseite fortgesetzt wird, zumal Marie teilweise auch explizit darauf hinweist. Der oben beschriebene nachteilige Aufbau wird auf diese Weise wieder etwas relativiert. Bei Mehrfachanliegen bleibt dieser Aufbau jedoch problematisch.

 

 

Gestik und Mimik sind bei Marie kaum vorhanden. Auch ist der Avatar nicht animiert, so dass sich verschiedene Gestiken, passend zum Text, durch statische Bilder aneinander reihen. Während des Tests hat sich dieses Konzept allerdings nicht als störend erwiesen.
Natürlichkeit wird teilweise dadurch erzeugt, dass nicht immer die gesamte Antwort auf einmal ausgegeben wird, sondern durch den Hinweis “Marie schreibt” unterbrochen ist.

 

Dialog-Design

Maries Antworten erscheinen entweder vollständig im Dialog-Fenster oder sie fasst die Essenz zusammen und stellt weiterführende Links zu Verfügung (in den nachfolgenden Beispielen kursiv gedruckt). Dieser Aufbau erweist sich vor allem dann als sehr praktisch, wenn für Marie mehrere Möglichkeiten in Betracht kommen, denn in diesem Fall wählt der Nutzer einfach per Mausklick die gewünschte Option:

 

Nutzer: Ich habe einen Artikel gekauft, kann ihn aber doch nicht gebrauchen.
Marie: Meinten Sie:
Ich möchte den Artikel nicht mehr kaufen.
Wie melde ich, dass ein Mitglied gegen die eBay-Grundsätze verstößt?
Wie kann ich Artikel kaufen?
Wie schließe ich nach Angebotsende einen Kauf bzw. Verkauf auf eBay ab?

 

Eine Nutzereingabe muss also nicht gezwungenermaßen zu genau einem Ergebnis führen. Dies ist vor allem in zweierlei Hinsicht sinnvoll: Zum einen, wenn die Technologie nicht exakt arbeitet, was bei Dialogsystemen nicht unwahrscheinlich ist (vgl. letztes Beispiel). In diesem Fall gelangt der Nutzer trotzdem schnell und sicher ans Ziel.
Zum anderen ist diese Dialog-Strategie sinnvoll, wenn der Nutzer eine unterspezifizierte Frage stellt. Dann führt der Dialog schneller zum Ziel als eine erneute Nachfrage der gleichen Art – denn der Nutzer versteht sofort, was gemeint ist und wählt außerdem aus Optionen aus, auf die das System sicher eine Antwort weiß:

 

Nutzer: Ich habe eine Frage zu den Bewertungen.
Marie: Meinten Sie:
Ich bin mit meiner erhaltenen Bewertung nicht zufrieden.
Wie gebe ich eine Bewertung ab?
Wie funktioniert das Bewertungssystem?

 

Ebenso schnell und mit den gleichen Vorteilen schaltet Marie in einen geführten Dialog um, wenn zur Klärung des Anliegens mehrere Fragen beantwortet werden müssen. Die jeweils per Mausklick gewählte Antwort erscheint dabei immer als Text im Dialog – so lässt sicher der Verlauf auch im Nachhinein gut nachvollziehen:

 

Nutzer: Der Käufer zahlt nicht, was kann ich tun?
Marie: Sagen Sie mir bitte, vor wie vielen Tagen das Angebot endete?
Vor mehr als 4 Tagen.
Vor weniger als vier Tagen.

Nutzer: Vor mehr als 4 Tagen.
Marie: Haben Sie bereits einen Problemfall wegen eines nicht bezahlten Artikels gemeldet?
Ja.
Nein.

 

Während der geführte Dialog sich durch schnelle, kurze Interaktionen auszeichnet, sind Maries Antworten in anderen Fällen mitunter sehr lang. Um hier die Informationsaufnahme zu erleichtern, werden die Texte entsprechend partitioniert: Jeder Abschnitt bildet ein geschlossenes Subthema, was dem Nutzer sehr hilft:

 

Nutzer: Ich habe eine schlechte Bewertung erhalten. Was kann ich dagegen tun?
Marie: Bewertungen sind grundsätzlich nicht veränderbar und können nur in Ausnahmefällen entfernt oder überarbeitet werden. Diese Ausnahmen finden Sie im Grundsatz zur Löschung von Bewertungen.

Sie haben auch die Möglichkeit, auf die erhaltene Bewertungen zu antworten. Auch kann Ihr Handelspartner seine Bewertung mit einem Ergänzungskommentar versehen.

Verkäufer können außerdem über die Funktion Überarbeitung einer Bewertung beantragen unter bestimmten Umständen ihre Käufer bitten, eine für Sie abgegebene neutrale oder negative Bewertung zu berichtigen.

 

Technologie

Die zugrunde liegende Technologie scheint verhältnismäßig ausgefeilt zu sein. Marie reagiert nicht nur auf ein Keyword pro Anfrage, sondern auch auf mehrere. Auch scheint die Reihenfolge und die Position der Keywords eine Rolle zu spielen. Allerdings hat auch dieser Mechanismus seine klaren Grenzen: Synonyme erkennt Marie zwar auf Wortebene zuverlässig – so wird z.B. “Produkt” als Synonym für “Artikel” erkannt. Synonyme Formulierungen hingegen, also Synonyme auf Phrasen- oder Satzebene, führen in die Irre:

 

Nutzer: Wie kann ich sicher sein, dass ein Produkt gut ist?
Marie: Danke sehr. Wie kann ich Ihnen noch weiterhelfen?
Nutzer: Woher weiß ich, dass ein Produkt gut ist?
Marie: Ich habe Sie nicht verstanden. Könnten Sie sich bitte anders ausdrücken? Ich stehe zu Ihrer Verfügung, wenn Sie Fragen haben.
Nutzer: Woher weiß ich, ob ich dem Verkäufer trauen kann?
Marie: Ich habe so viel Arbeit.
Nutzer: Woher weiß ich, dass der Verkäufer kein Betrüger ist?
Marie: Informationen zum sicheren Kaufen finden Sie unter Online-Sicherheit: Übersicht.

 

Offenbar reagiert Marie hier nur auf die Keywords “Verkäufer” und “Betrüger”, während alle anderen synonymen Formulierungen ins Leere führen. Allerdings sind synonyme Formulierungen auch weitaus schwieriger zu realisieren als Synonyme auf Wortebene, so dass dies vor allem im Vergleich zu anderen kommerziellen Avataren nicht als schwerwiegender Nachteil gewertet werden kann.

 

Ähnlich wie bei den Synonymen steht es bei Marie mit der sprachlichen Kontextbezogenheit und dem Diskurswissen. Auch diese sind nicht optimal umgesetzt:

 

Nutzer: Ich will den Artikel doch nicht haben.
Marie: Als Käufer müssen Sie für einen ersteigerten bzw. gekauften Artikel den festgelegten Kaufpreis zahlen.

Dies gilt auch dann, wenn Sie in der Zwischenzeit Ihre Meinung über den Artikel geändert haben oder Ihnen der Preis des Artikels nun doch zu hoch erscheint.

Wenn Sie dem Verkäufer offen und ehrlich sagen, dass Sie vom Kauf zurücktreten möchten, gehen die meisten Verkäufer darauf ein. , erklären Sie ihm die Situation und versuchen Sie, sich mit ihm zu einigen. […]
Nutzer: Der Verkäufer möchte den Artikel nicht zurücknehmen, ich habe schon mit ihm gesprochen.
Marie: Ich weiß es nicht mehr wirklich. Wie kann ich Ihnen noch weiterhelfen?

 

Die zweite Nutzereingabe kann offensichtlich überhaupt nicht in Bezug zum bisherigen Diskurs gesetzt werden, so dass die Interaktion sehr schnell an ihre Grenzen stößt. Doch auch hier gilt: Es handelt sich um ein schwer zu realisierendes Feature, das wohl kaum ein kommerzieller Avatar beherrscht.

 

Trotz dieser Unzulänglichkeiten verfügt Marie jedoch anscheinend über eine Art Dialogmanager, denn Sie merkt sich mitunter Nutzereingaben. So weiß sie, ob eine Frage bereits gestellt wurde oder sie führt einen für die Anfrage notwendigen Login durch und greift das Thema anschließend wieder auf. Allerdings bleibt aus Nutzersicht häufig unklar, weshalb überhaupt ein Login durchgeführt werden muss (z.B. bei der Frage: “Wie funktioniert ebay?”).

 

Fazit

Marie ist eine brauchbare Hilfestellung für die Verwendung von ebay. Unexaktheiten in der Technologie, die bei Dialogsystemen grundsätzlich nicht komplett verhindert werden können, werden durch das Dialog-Design meist solide abgefedert. Die Technologie ist überdurchschnittlich gut, die Dialogführung zielgerichtet und schnörkellos, was die Fehleranfälligkeit verringert und einen erfolgreichen Fallabschluss wahrscheinlicher werden lässt. Insgesamt merkt man Marie deutlich an, dass sie aus professioneller Hand stammt.

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Hej! Anna, der IKEA-Avatar

Montag, 21. Juni 2010

 
Die virtuelle Kollegin beantwortet 24 Stunden am Tag Kundenanfragen



Der Avatar Anna von IKEA gehört zu den dienstältesten in Deutschland. Noch immer wird der Nutzer auf der aktuellen IKEA-Seite an mehreren Stellen auf Anna aufmerksam gemacht. Nach all den Jahren noch so präsent – Anna scheint beliebt und prominent zu sein!
Doch eine Recherche nach Erfahrungsberichten lässt schnell ein anderes Bild entstehen: Anna ist eher unbeliebt und wird bestenfalls belächelt. Nahezu kein Erfahrungsbericht handelt von einer erfolgreichen Interaktion.

 

Ernsthafte Versuche mit Anna Aufgaben zu lösen enden häufig mit der Verzweiflung der Nutzer.

Viele Erfahrungsberichte beziehen sich auch weniger auf ernsthafte Anfragen, sondern auf Versuche, mit Anna Small Talk zu betreiben. Sicher, für einen Avatar eher nebensächlich – aber da die Grenzen zwischen sachlichen Anfragen und Small Talk fließend sind, muss auch dies zu einem gewissen Grad abgedeckt sein. Dass Anna auch hier eher weniger gut abschneidet, zeigt ein unterhaltsames Beispiel, bei dem Anna den Geburtstag eines Kunden standhaft ignoriert.

 

Ob die Nutzerurteile wirklich gerechtfertigt sind, soll ein kurzer Test zeigen.


 
Aufbau

Anna entspricht äußerlich dem schwedischen Klischee: Sie ist hellblond und strahlt Freundlichkeit und Offenheit aus. So ist man sofort mit ihr per Du. Anna trägt Dienstkleidung – das rückt das Inhaltliche stärker in den Vordergrund und animiert den Nutzer dazu, schnell zum Wesentlichen zu kommen. Die Mimik ist zwar nicht variantenreich, orientiert sich aber erkennbar am Text.

 

Gleich zwei Mal wird auf der Index-Seite auf Anna hingewiesen. Wird sie mit einem Maus-Klick aktiviert, öffnet sich ein separates Dialog-Fenster:

 

 

Dieser Aufbau erweist sich als sehr unpraktisch, denn Anna verweist während des Dialogs öfters auf Elemente der Webseite. Doch aktiviert man daraufhin die Webseite, verschwindet das Dialog-Fenster – und umgekehrt. Eine wenig praktikable Handhabung. Für den folgenden Versuch wurde daher das Web-Fenster entsprechend verkleinert und das Dialog-Fenster direkt daneben platziert.

 

Integration von Dialog und Navigation

Der Dialog wird begonnen mit einer einfachen Frage nach Kleiderschränken:

 

Nutzer: Hallo, ich brauche einen neuen Kleiderschrank.
Anna: Hier findest Du eine Übersicht unserer Kleiderschränke.

 

Anna versteht also und öffnet die Seite für Kleiderschränke. Doch leider ist dies nicht sofort erkennbar: Ins Auge fällt als erstes eine Werbung für Klapptische, so dass der Nutzer annehmen muss, die Interaktion ist misslungen:

 

 

Nur der farbige Schriftzug “Kleiderschränke” links unten in der Navigationsleiste weist auf das gewünschte Resultat hin.

 

Kontextbezug und Expertenwissen

Die richtige Seite ist gefunden – aber da man Anna angeblich alles fragen kann, und eine Beratung mehr umfasst als das Auffinden von Seiten, wird die nächste Frage gestellt:

 

Nutzer: Welcher Schrank ist denn für einen Single besonders geeignet?
Anna: Auf unserer Webseite findest Du eine Übersicht unserer Kleiderschränke und Garderoben.

 

Sicher kann diese Antwort so interpretiert werden, dass sie in den Dialog passt – besonders hilfreich ist jedoch nicht.

 

Anna kann also anscheinend keine Detailfragen beantworten, vermutlich weil ihr zweierlei fehlt: Erstens das dafür erforderliche Expertenwissen und zweitens die Fähigkeit, einen Kontextbezug herzustellen. Dies wird besonders deutlich, wenn das Keyword “Schrank” weggelassen wird:

 

Nutzer: Nein, welcher davon ist für Singles geeignet?
Anna: Hin und wieder passiert es, dass ich etwas nicht verstehe, und jetzt gerade ist das der Fall. Dennoch, deine Eingabe wird in meine Weiterentwicklung einfließen.

 

Kontextbezogenheit und Expertenwissen sind zentrale Elemente eines Dialogs. Gleichzeitig sind sie sehr aufwendig zu realisieren. Expertenwissen muss mühsam erstellt, ins System eingepflegt und dort verknüpft werden. Linguistisches Wissen zur Detektion von Kontextbezogenheit muss dem System ähnlich mühsam beigebracht werden. Realistisch gesehen ein viel zu hoher Aufwand für einen eher selten gebrauchten Avatar.
Daher muss klar sein: Welchen Zweck soll der Avatar schwerpunktmäßig erfüllen? Und in welchen bereichern macht es Sinn, Aufwand zu investieren?

 

Ein gut gepflegter Themenbereich bei Anna scheinen die Öffnungszeiten zu sein. Hier läuft der Dialog recht natürlich ab, da auch Kontextwissen simuliert wird:

 

Nutzer: Wie sind denn die Öffnungszeiten meiner Filiale?
Anna: Von welchem IKEA Einrichtungshaus möchtest du die Öffnungszeiten erfahren?
Nutzer: In Berlin.
Anna: Zu welchem Einrichtungshaus in Berlin darf ich dir weitere Informationen geben: Tempelhof, Waltersdorf oder Spandau?
Nutzer: Tempelhof.
Anna: Information über IKEA Berlin Tempelhof findest du auf dieser Website.

 

Dass es sich bei der Kontextbezogenheit um eine Simulation handelt, wird deutlich, wenn “Tempelhof” direkt eingegeben wird – dann gibt Anna die gleiche Antwort. Sie merkt sich also nicht, dass der Nutzer zuvor nach Öffnungszeiten und anschließend nach Berlin gefragt hat.

 

Synonyme

Die Beispiele machen deutlich, dass Anna nach einem einfachen Prinzip vorgeht: Keyword-Spotting. Aus dem Nutzer-Input werden bekannte Keywords herausgefiltert und dann eine Suchanfrage angestoßen – wie man es von gängigen Suchmaschinen kennt. Realistisch betrachtet ist daran nur wenig auszusetzen, denn wegen des hohen Realisierungsaufwandes gehören Kontextbezug und Expertenwissen eher zur Kür eines heutigen kommerziell eingesetzten Avatars.

 

Doch auch mit reinem Keyword-Spotting können theoretisch Erfolge erzielt werden. Ein wertvoller Zusatz ist hier der Einbezug von Synonymen: Zu jeder Anfrage werden Synonyme ermittelt und entsprechende Mehrfach-Suchanfragen gestellt. So erhält der Nutzer z.B. Informationen zu Sofas – unabhängig davon, ob er nach “Sofa” oder oder nach “Couch” fragt. Dies funktioniert so auch bei Anna.

 

Doch Synonyme sind mehr als nur das einfache Austauschen von Wörtern. Synonymie kann sich auch auf Wortketten bis hin zu ganzen Eingaben beziehen, was den Gegenstandsbereich wesentlich anspruchsvoller werden lässt. Um hier Annas Fähigkeiten zu testen, wurde anstelle von “Kleiderschrank” Folgendes eingegeben:

 

Nutzer: Ich brauche etwas, um meine Kleidung aufzuhängen.
Anna: Kannst du mir bitte genau sagen was dir fehlt, damit ich dir weiterhelfen kann?

 

Die Antwort von Anna entspricht nicht den Erwartungen – dabei handelt es sich hierbei um eine in der Praxis realistische Formulierung, die nicht nur die Kleiderschränke mit einschließt, sondern z.B. auch die frei stehende Kleiderstange von IKEA. Offenbar reduzieren sich Synonyme bei Anna eher auf einzelne Worte und weniger auf Wortfolgen.

 

Fazit

Den recherchierten Nutzerurteilen zufolge und nach den Ergebnissen dieses kurzen Tests beschränken sich die Fähigkeiten von Anna eher auf das Herausfiltern von einzelnen Keywords, wobei auch synonyme Formulierungen nicht ausreichend abgedeckt sind. Als Trost für Anna sei darauf hingewiesen, dass heute die meisten kommerziell eingesetzten Avatare über keine weiterreichenden Fähigkeiten verfügen. Auffällig ist im Allgemeinen, dass die Avatare im Bereich Small-Talk über einige “Fähigkeiten” bzw. ausgefeiltere Simulationen verfügen – wohl weil Nutzer dazu neigen, einem Wesen, das Anspruch auf menschliche Eigenschaften erhebt, auf seine Menschlichkeit hin zu testen. Positiv betrachtet ist dies ein erster Schritt hin zu einem natürlichen, virtuellen Gesprächspartner.

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VOICE Days plus 2010: Live Contest – Der Innovationswettbewerb

Montag, 21. Juni 2010

 
JETZT ANMELDEN!

Seit 15. Juni läuft die Ausschreibung für den Live Contest der VOICE Days plus 2010. Der zum siebten Mal stattfindende Wettbewerb prämiert Innovationen, die das Kundenerlebnis an den Customer Touchpoints Telefon, Internet und Mobile mit neuen Servicekonzepten bereichern. Bei diesem Wettbewerb steht die Kundeninteraktion im Fokus: Gesucht werden Lösungen, bei denen sich die Mensch-Maschine-Interaktion besonders innovativ gestaltet.

 

Der Contest wird als eine offene Ausschreibung für die besten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit Geschäftspotenzial durchgeführt. Gesucht sind Entwickler-Teams, die Leistungsfähigkeit live demonstrieren wollen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Neben der vollständigen Einreichung der Bewerbung bis zum 30. August müssen alle Teilnehmer nachweisen, dass sich das Produkt noch nicht im kommerziellen Betrieb befindet.

 

Alle Einreichungen werden von einem Expertenteam bewertet. Die Finalisten präsentieren ihre Entwicklung am 13. Oktober live auf den VOICE Days plus in Nürnberg. Die Sieger werden durch das abschließende Publikums-Voting ermittelt.

 

Wichtige Termine

 

15. Juni: Bewerbungsstart
30. August: Ausschreibungsende
27. September: Bekanntgabe Finalisten
12. Oktober: Test Live Vorführung
13. Oktober, 14.00h: Live Contest
13. Oktober, 16.00h: Siegerehrung und Übergabe der Trophäen

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Telekom_hilft – Kundenservice per Twitter

Freitag, 21. Mai 2010

Das Telekom-Service Team – in der festen Überzeugung, dass Service mit 140 Zeichen geht

Kundenservice über verschiedenen Kanäle anbieten, proaktiv den Kontakt mit dem Kunden suchen – das sind zentrale Kriterien des modernen Kundenservice. Neben bekannten Kommunikationsmitteln wie Telefon, E-Mail und Web Self-Service wird seit Kurzem – wie bei der Telekom – auch Twitter eingesetzt. Unter dem Motto: “Hier hilft das Telekom Service-Team in der festen Überzeugung, dass Service mit 140 Zeichen geht.” beantworten bislang 7 Service-Mitarbeiter in einem Pilotprojekt Anfragen von Kunden. Stellen sich die Fragen: Welche Vorteile bietet Twitter für Kunde und Unternehmen? Und wie gut ist der neue Telekom-Service in der Praxis?


Klar ist: Wenn ein Unternehmen Dienste über Twitter anbietet, muss dieser Kommunikationskanal auch gepflegt werden. Denn erstens erwarten die Nutzer dies und zweitens – und dieser Aspekt ist relativ neu – ist ein Großteil der Dialoginhalte frei zugänglich. Theoretisch kann also ein jeder einsehen, wenn ein Kundenanliegen nicht zufriedenstellend gelöst wurde.

Der Mehrwert für den Kunden liegt auf der Hand: Twitter bietet die Möglichkeit, Anliegen unkompliziert und, wenn gewünscht, mobil zu kommunizieren. Unkompliziert deshalb, weil die Anfrage vom Kunden individuell gestaltet werden kann: Die Begrenzung auf 140 Zeichen erwirkt eine Beschränkung auf das Wesentliche. Und anstatt dass sich der Kunde die Zeit nehmen muss, eine EMail zu formulieren oder gar zum Telefonhörer zu greifen, kann er die Anfrage quasi nebenbei stellen. Das heißt, der Kunde muss sich nicht auf eine Echtzeitkommunikation einlassen, sondern kann den Dialog weitestgehend selbst steuern. Gleichzeitig bietet Twitter alle Vorteile der Online-Kommunikation: Gegebene Informationen gehen nicht verloren (Nachhaltigkeit) Nutzerprofile können unternehmensseitig erstellt und für den Service nutzbar gemacht werden und dem Kunden können auf einfache Weise weiterführende Links zu Verfügung gestellt werden. Natürlich können nicht alle Anliegen via Twitter gelöst werden – hier muss das Unternehmen flexibel auf alternative Kanäle ausweichen können.

Der Twitter-Service im Test

Die Telekom gibt sich bei ihrem neuen Service betont locker – was gut zum Medium Twitter bzw. Web2.0 allgemein passt, zumal 140 Zeichen ohnehin kaum Platz lassen für Höflichkeitsfloskeln. Auf einer virtuellen Pinnwand finden sich Fotos der überwiegend jungen Mitarbeiter und nicht selten duzen sich Kunde und Dienstleister.

Ziel war es, den Service nicht komplett zu evaluieren, sondern durch eine einfache Anfrage punktuell zu testen. Dazu fiel die Wahl auf eine Frage nach der Vertragslaufzeit und die Höhe der Gebühr bei einem Standortwechsel (Umzug) für ISDN&DSL:

@Telekom_hilft: Hallo, 2 Fragen: Wie viel kostet die Umzugsgebühr für ISDN&DSL? Und wie lange läuft mein Vertrag bei Ihnen noch?

Auf diese Weise lassen sich gleich mehrere Aspekte testen: Wie schnell und wie zuverlässig werden bereits bestehende Kundendaten abgerufen und eingebunden? Wie wird mit der Abfrage persönlicher Daten (hier: Kundennummer) umgegangen? Wie werden unbequeme Informationen wie zu leistende Zahlungen kommuniziert? Und wie flexibel wird auf andere Kommunikationskanäle umgeschaltet (notwendig zur Abfrage persönlicher Daten)? Die erste Antwort trifft ziemlich genau eine Stunde später ein:

@die_lautmaler: Es fällt ein einmaliges Bereitstellungsentgelt von 59,95 € b an. Wegen Ihrer Laufzeit schreibe ich Ihnen gleich eine DM. ^sa

Eine Stunde mag lang erscheinen – ist aber vor dem Hintergrund, dass der Kunde in der Regel keine direkte Antwort erwartet (Twitter ist schließlich kein synchrones Kommunikationsmittel) voll akzeptabel. Positiv fällt auf, dass zuerst die Information gegeben wird, die gegeben werden kann (Höhe des Bereitstellungsentgeltes) und dass für den Rest der Frage auf eine DM (ebenfalls via Twitter) ausgewichen wird. Nur wenige Minuten später findet sich folgende DM im Posteingang:

Telekom_hilft: Bitte schicken Sie mir Ihre Kundendaten, den Twitternamen & Rufnummer per Mail an telekomhilft@telekom.de. Danke. Ich kümmere mich. ^sa

Gut zu wissen, dass der Ansprechpartner (^sa, also Sabrina) sich weiter persönlich kümmern wird und man nicht einfach an eine andere Anlaufstelle verwiesen wird, bei der das Anliegen möglicherweise erneut vorgetragen werden muss. Der Twittername dient der Zuordnung des Anliegens. Um die Aufgabe zu erschweren wird dieser im Nachrichtenfeld der E-Mail anstatt im Betreff genannt. Außerdem wird das Anliegen in der E-Mail nicht neu formuliert, denn dann wäre ja auch ein wesentlicher Vorteil von Twitter dahin.

Hallo,
die_lautmaler
030-49855710


 
Keine fünf Minuten später die Antwort via Twitter:

Telekom_hilft: Vielen Dank für Ihre Daten. Ihr Vertrag läuft bis zum 6. November 2010. ^sa

Die Zuordnung hat also reibungslos geklappt! Etwas überraschend zwar, dass auf eine E-Mail ein Tweet folgt, andererseits aber auch gerechtfertigt, zumal Tweets sich einfacher mobil abrufen lassen. Das Testergebnis ist also durchweg positiv.

Weitere Kundenerfahrungen

In der HAZ findet sich ein weiterer aktueller Erfahrungsbericht zum Telekom Twitter-Service. Das Resultat ist auch hier insgesamt positiv. Bemerkenswert ist hier ein anderer, sehr wichtiger Aspekt, den moderne Kommunikationsmedien wie Twitter und Facebook möglich machen: Das proaktive Zugehen auf den Kunden. In diesem Fall hat der Kunde über seinen Twitter-Account Unzufriedenheit über ein Telekom-Produkt geäußert, sich dabei allerdings nicht direkt an die Telekom gewandt. Da der Kunde dabei Hash-Tags verwendet hat (für die Begriffe #Entertain, #T-Home und die Bezeichnung des Geräts, #X300T) wurde auch die Telekom informiert, die darauf hin von sich aus auf den unzufriedenen Kunden zuging:

Telekom_hilft: Der zweite #X300T binnen 6 Monaten verabschiedet sich? Kennen Sie schon den #MR301? Hier ein paar Infos http://bit.ly/aiwn9K ^ro

Gelöst wurde das Problem dann schließlich telefonisch: Die Mitarbeitern mit dem Kürzel ^ro rief an, nachdem sie die Kundenrufnummer aus der Datenbank herausgesucht hatte, und bot dem Kunden an, ihm als Alternative ein neues Gerät zukommen zu lassen. Ein Paradebeispiel gelungener Kundenkommunikation.

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Online-Beratung per Chat bei der ERGO Direkt

Donnerstag, 1. April 2010

 
Der Service-Bereich unterliegt einem stetigen Wandel, getrieben von sich ständig ändernden Kundenanforderungen und technologischen Neuerungen. Self-Service in Wechselwirkung mit Interaktionstechnologien ist ein Dauerthema in der Branche. Doch neben dem reinen Self-Service gibt es auch hybride Ansätze wie die Online-Beratung. Ein bislang nur wenig analysierter Kommunikationskanal ist der sogenannte Chat oder Live-Chat. Beim Chat kommuniziert der Kunde mit dem Agenten über Textnachrichten, die in Echtzeit übermittelt werden. Damit vereint der Chat die Hauptmerkmale von E-Mailing und Telefonaten: Er ist rein textbasiert wie die E-Mails und er läuft in Echtzeit ab, wie ein Telefonat.
 
Immer mehr Unternehmen bieten ihren Kunden den Chat als Interaktionskanal an, darunter auch die Behörde Deutsche Rentnversicherung, die Firma Globetrotter und seit gut einem Jahr auch die ERGO Direkt. Ich starte einen Selbstversuch.

 

 
Auskunft per Chat – ein Selbstversuch
Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Methoden, die Interaktion einer Technologie zu testen: Konfirmatorisch, anhand vorgegebener Usability-Guidelines, oder explorativ, aus Nutzersicht. Da das Medium neu ist, entscheide ich mich für Letzteres – also erst die Rolle eines “naiven” Nutzers einnehmen und hinterher aus Expertensicht auswerten. Dabei dürfte mir die Rolle eines naiven Nutzers nicht gerade leicht fallen, gebrauche ich den Live-Chat bei meiner täglichen Arbeit doch relativ häufig. Vielleicht hilft ein neuer Name dabei, besser in die Nutzerrolle zu finden, denke ich, und nenne mich kurzerhand Volker Müller.
 
Als Erstes muss ein Thema und Fragen dazu her. Ich entscheide mich für die Zahn-Zusatzversicherung und suche Informationen zusammen – wie ein typischer Online-User. Der Self-Service scheint auf den ersten Blick relativ fortschrittlich, die Seite ist übersichtlich designed. Zum Beispiel können individuelle Leistungspakete sehr einfach und intuitiv selbst zusammengestellt werden. Trotzdem entstehen schon bald die ersten Unklarheiten und Fragen: Was genau ist der Unterschied zwischen “Zahnerhalt” und “Zahnersatz”? Sind einfache Zahnreinigungen ebenfalls enthalten? Sind Leistungspakete von der Stange günstiger als individuell zusammengestellte? Und zahlt die Versicherung auch für Schäden, die schon vor Vertragsabschluss diagnostiziert wurden? Stoff genug für eine Anfrage via Live-Chat.
 
Alle Kontaktmöglichkeiten, so auch der Live-Chat, sind auf der Seite ständig präsent, wohin man auch surft. Das macht den Zugang sehr einfach:
 
BP_Chat_fig1
Bevor der Chat startet, werde ich aufgefordert, meine Frage und meinen Namen einzugeben. Das ist sicher ökonomischer als direkt mit dem Chat zu beginnen: Der Agent kann sich auf das Gespräch vorbereiten und direkt einsteigen – und außerdem fallen die üblichen Begrüßungsformeln weg. Während der Agent also vermutlich seine Vorbereitungen trifft, werde ich mit einer automatisch generierten Grußformel Willkommen geheißen:
 
BP_Chat_fig3
Meine Frage lässt es schon erahnen – das Formulieren des Anliegens ist schon ein gutes Stück Arbeit: Denn abgesehen davon, dass ich eigentlich mehrere Anliegen habe, muss man sich als Kunde hier erstmal klar werden, was man möchte und dies auch noch verständlich formulieren. Bei einem Telefongespräch ist es einfacher. Da sind die Wechsel kürzer, der Agent denkt von Anfang an mit und steuert das Gespräch in die richtigen Bahnen. Ich formuliere meine Frage also halbherzig und verlasse mich darauf, alles Weitere im Gespräch zu klären.
 
Schon bald meldet sich die Kundenmitarbeiterin und gibt direkt Auskunft zu meiner Frage, indem sie “Zahn-Ersatz” näher definiert. Das ist ein Anfang und es spinnt sich ein Gespräch, bei dem ich mich stets bemühe, die Perspektive des naiven Nutzers beizubehalten. Innerhalb weniger Minuten habe ich alle Informationen beisammen. Jetzt schalte ich wieder den Expertenmodus ein und versuche, weitere Informationen zu erlangen: Ob denn viele Kunden den Chat nutzen würden. “Selbstverständlich!” erscheint es auf dem Bildschirm. Und ob sie denn mehrere Chats gleichzeitig bearbeiten könnte. Das käme darauf an, entgegnet mir meine Chat-Partnerin und gleich darauf folgt: “Haben Sie denn noch weitere inhaltliche Fragen?” Die klassische, zielgerichtete Gesprächsführung. Ich bedanke mich und beende das Gespräch. Ich kann nicht umhin, mich etwas vor den Kopf gestoßen zu fühlen, gleichzeitig bin ich aber beeindruckt von der Schnelligkeit und der Kompetenz. Ausreichend Stoff also für eine nachgelagerte Analyse, auf die ich mich sehr freue.

 

Mehrwert aus Anbietersicht
Eine Frage, die sich mir sofort stellt: Weshalb bietet ein Unternehmen einen Live-Chat an? Besteht auf Kundenseite wirklich ein so hoher Bedarf, möchte man fortschrittlich erscheinen oder geht es hier auch um Einsparungen? In einer Branche, in der Anrufervorqualifizierungen vorgenommen werden, um pro Anruf um die 30 Sekunden Gesprächszeit zu sparen, muss Ökonomie doch eine entscheidende Rolle spielen. Also, trägt sich dieses Konzept tatsächlich und wie wird die Erfolgsquote messen? Hat der Kunde eine Frage, die sofort beantwortet werden kann, ist der Chat sicher ökonomisch, und kommt einer unmittelbar beantworteten EMail gleich, ideal für Kunde und Unternehmen also. Aber wie viele Anfragen lassen sich direkt, also „one-shot“, oder in 2-3 nachfolgenden „Turns“ beantworten? Mein Anliegen jedenfalls nicht, hier war eine ausführlichere Beratung erforderlich. Und diese Anliegen dürften doch häufiger sein, One-Shot-Antworten sollten sich eigentlich komplett über den Self-Service erledigen lassen, sofern dieser gut designed ist.
 
Kann ein Mitarbeiter mehrere Chats gleichzeitig bearbeiten? Oder nebenbei Anfragen per EMail klären? Und wie brauchbar sind vorformulierte Antworten aus der Datenbank? Einige Antworten legen jedenfalls die Vermutung nahe, dass Datenbank-Ressourcen genutzt werden:
 
***
Volker Müller: Aha, Danke. Und die Inlays zählen dann aber zum Zahnerhalt?
 
A. Osthoff: Unsere Zahn-Erhalt Versicherung leistet 100 % der verbleibenden erstattungsfähigen Aufwendungen für Einlagefüllungen (Inlays/Onlays), Kunststofffüllungen, Knirscherschienen und die damit verbundenen zahntechnischen Laborarbeiten und Materialien sowie die damit verbundenen funktionsanalytischen und funktionstherapeutischen Leistungen.
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Hier könnte auch unterstützende Technologie zum Einsatz kommen: Auf Basis meiner Frage werden möglicherweise automatisch Datenbanksuchen angestoßen – und meine Gesprächspartnerin entscheidet, ob sie die Resultate in den Chat mit einbinden möchte. Mit einer richtigen Arbeitsumgebung und den richtigen Technologien also sollte sich der Chat-Kanal aus ökonomischer Sicht für die Unternehmen lohnen.

 
Mehrwert aus Kundensicht
Eine Beratung via Live-Chat – kann man da überhaupt auf individuelle Bedürfnisse eingehen? Komplexe Anliegen lassen sich sicher nicht so einfach und effizient erklären und analysieren wie per Telefon. Die Sprecherwechsel (“Turn-Takings”) sind langsamer und schwieriger, das erschwert es, gemeinsam Thematiken zu erschließen. Hier könnte die Option Abhilfe schaffen, die Unterhaltung im Notfall per Telefon fortzusetzen – bislang nicht im Chat integriert.
 
Gegenüber einer zeitlich asynchronen E-Mail-Kommunikation bietet der Chat aber durchaus einen Mehrwert und schließt dabei die Vorteile des E-Mailings mit ein. Hier ist in erster Linie die Nachhaltigkeit der Informationen zu nennen. Anders als bei einem Telefonat gehen gegebene Informationen nicht wieder verloren, sondern sind “auf Papier” gebannt. Ein weiterer Vorteil gegenüber einem Telefonat: Weiterführende Dokumente oder Verweise können sehr einfach zu Verfügung gestellt werden. Das kürzt das Gespräch ab, der Chat wird so zu einer puren menschlich gesteuerten Datenbanksuche, zu einem intelligenten Self-Service. Der Kunde kann die gegebenen Informationen im Nachhinein in Ruhe durchgehen:
 
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Volker Müller: Gibt es denn sonst etwas, was Ihre Versicherung besonders macht? Stiftung Warentest zum Beispiel?
 
A. Osthoff: Einen Moment bitte.
 
A. Osthoff: hier klicken.
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Usability & Interaktion
Viele Funktionen und Interaktionselemente werden nicht abgebildet, trotzdem gibt es Optimierungspotential. Eine Nachricht kann entweder durch Drücken der Return-Taste (ein Quasi-Standard beim Live-Chat) oder aber durch Drücken des Buttons “Senden” übermittelt werden. Zwar bin ich selbst geübter Chat-User – der explizite Button jedoch lässt mich unbewusst annehmen, die Return-Variante funktioniere nicht. Schwerwiegender ist jedoch die Ähnlichkeit und die Nähe zum Button “Dialog beenden”. So werden unnötigerweise Nutzer-Fehler evoziert, die zudem noch fatale Folgen hätten:
 
BP_Chat_fig2
Weiterer Kritikpunkt: Das Chat-Protokoll kann nicht heruntergeladen werden. Die genannten Vorteile der Nachhaltigkeit von Informationen verpuffen auf diese Weise – sofern der Nutzer nicht auf die Idee kommt, den Text auf umständliche Weise durch Markieren, Kopieren und Einfügen zu sichern.
 
Ebenfalls optimierungsbedürftig ist die Unterstützung der Turn-Taking-Rules: In gesprochener Kommunikation hören wir natürlich, wenn der Gesprächspartner gerade am Sprechen ist und können anhand von Gestik, Mimik und Intonation erkennen, wann wir an der Reihe sind. Diese Informationen fehlen im Chat, was potentiell Probleme mit sich bringt. Ein Feature, das hier Abhilfe schafft, sind systemseitige Signale, die anzeigen, dass der Gesprächspartner gerade eine Chat-Nachricht verfasst. Bei Skype ist es ein Stift-Symbol, hier ist es ein Text. Dieser Text ist jedoch viel zu wenig hervorgehoben (vgl. Bild oben) – Missverständnisse sind vorprogrammiert.

 
Linguistische Aspekte
Chat ist ein Medium, das sowohl Aspekte von schriftsprachlicher als auch von mündlicher Kommunikation aufweist. Die Chat-Sprache ist eher an der gesprochenen Sprache orientiert. Hürden sind dabei fehlende Parameter wie Intonation, Gestik und Mimik. Die Probleme des Turn-Takings wurde in diesem Zusammenhang bereits genannt. Ein anderes Problem ist der emotive Aspekt von Sprache: Die Stimme eines Menschen kann viele Aspekte von Emotionalität signalisieren. Sie kann z.B. Wärme ausstrahlen, Verständnis signalisieren oder Sicherheit und Zuversicht vermitteln. Dadurch sagt eine Stimme auch, wie das Gesagte gemeint ist. Sie hat metakommunikativen Charakter. In Alltags-Chats können Emoticons (Symbole wie Smileys oder Augenzwinkern) zur Metakommunikation verwendet werden – bei einem Service-Chat fallen auch diese Symbole weg, weil sie stilistisch nicht angemessen sind und für sie rein thematisch kaum Verwendung besteht. Dadurch wirken manche Äußerungen etwas schroff – selbst, wenn man sich als geübter Chatter der Fehlerquelle bewusst ist. Aber auch als Kunde ist es schwer, emotionale Nuancen zu signalisieren, z.B. sich für eine Information zu bedanken, weil sie weiterhilft und gleichzeitig weiterführende Information einzufordern. Denn dies wird meistens ebenfalls über Stimme und/oder Diskursmarker transportiert. Auf eben diese “Füllwörter” – und hier unterscheidet sich der Chat von der gesprochenen Sprache – wird im Chat gerne verzichtet.
 
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Volker Müller: Gehört dazu auch die Zahnreinigung?
 
A. Osthoff: Zahnreinigung ist ebenfalls Zahn-Erhalt.
 
Volker Müller: Und da übernehmen Sie dann was genau?
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In der gesprochenen Sprache würde hier ein “aha” mit entsprechender Betonung signalisieren, dass die letzte Information des Agenten nützlich war.
 
Ein anderer Aspekt ist die Textverständlichkeit. Aus Ökonomiegründen werden – wie beschrieben – Texte aus Datenbanken in den Chat kopiert. Diese Texte sind jedoch erstens nicht ausreichend auf Laien optimiert und zweitens notgedrungen nur bedingt an den Kontext angepasst. Das führt zu Verständnisproblemen, was die Kommunikation im Endeffekt wieder verlängern kann.
 
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Volker Müller: Zahlt die Versicherung dann eigentlich direkt nach Vertragsabschluss? Also, angenommen, man hat da einen akuten Fall…
 
A. Osthoff: Eine Wartezeit besteht bei dieser Versicherung nicht. In den ersten vier Versicherungsjahren gelten je Tarif folgende Höchstleistungsgrenzen:
im ersten Versicherungsjahr: 250,00 Euro
innerhalb der ersten beiden Versicherungsjahre zusammen: 500,00 Euro
innerhalb der ersten drei Versicherungsjahre zusammen: 750,00 Euro
innerhalb der ersten vier Versicherungsjahre zusammen: 1.000,00 Euro

 
Bei einem Unfall entfallen diese Jahreshöchstsätze. Bitte beachten Sie folgenden Hinweis:Vom Versicherungs-Schutz ausgeschlossen sind die bei Vertragsabschluss fehlenden, noch nicht ersetzten Zähne und deren Zahnersatz sowie die bei Vertragsabschluss bereits begonnenen oder angeratenen Zahnersatzmaßnahmen.
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Dieses Beispiel zeigt auch, dass komplexe Sachverhalte sich nur schwer via Chat erörtern lassen, hier bietet das Telefon deutliche Vorteile.

 
Fazit
Der Live-Chat scheint sich langsam aber sicher in der Kundenkommunikation zu etablieren und wird mit der heranwachsenden Generation der Millennials und technologischen Fortschritten sicher weiter Verbreitung finden. Die Handhabung der dazugehörigen Kunden-Software ist relativ einfach, da nicht viele Funktionen abgebildet werden müssen. Die Hürden liegen im Medium selbst: Um Effektivität zu gewährleisten, kommt der Agent nicht drum herum, vorhandene Datenbank-Ressourcen zu nutzen. Dies wiederum erfordert eine unterstützende Technologie mit ausgereifter Textanalyse und intelligenter Datenbank-Suche – eingebettet in eine ergonomische Agenten-Software. Die verwendeten Datenbank-Texte müssen außerdem auf den Kunden optimiert werden: Texte, die nur von Fachleuten ad hoc verstanden werden können sind insbesondere für eine Echtzeit-Kommunikation per Chat ungeeignet.
 
Die angesprochenen linguistisch-emotiven Probleme lassen sich durch entsprechende Kommunikationsguidelines lösen. Unternehmen können so eine eigene Chat-Sprache etablieren, die sich sowohl von gesprochener als auch von geschriebener Sprache asynchroner Medien (z.B. E-Mail) unterscheidet. Zugute kommt hier vermutlich künftig die zunehmende Verbreitung des Chats: Je mehr sich der Nutzer an ein Medium gewöhnt, umso mehr gewöhnt er sich auch an die dazugehörige Sprache bzw. gestaltet sie selbst mit.

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Es werde Licht!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

RS232 Projekt – Aktivieren einer 230V Lampe per Sprachbefehl

Und es ward Licht.

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Das Lautmaler Testcenter

Montag, 25. Mai 2009

Im Test:

1. Der paperium Digital Pen und die Handschrifterkennung

Für den VOICE Community Newsletter zum Thema OCR und Handschrifterkennung starteten die LAUTMALER den Selbstversuch mit dem Paperium Digital Pen: Das Paperium schlägt zurück. Willkommen in der JOKE Community!

2. Sophie, die Virtuelle Mitarbeiterin von The Selfservice Company

Sophie, die Virtuelle Mitarbeiterin von The Selfservice Company, ist ein virtueller Berater der neuesten Generation. In den Niederlanden schon seit längerer Zeit in verschiedenen Unternehmen erfolgreich im Einsatz beantwortet sie dort rund vier Millionen Fragen pro Monat mit einer Erkennungsrate von 90 Prozent. Nun ist sie als Beta Version auch in Deutschland beratend tätig.

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