Archiv für die Kategorie „Sprache“

Online-Beratung per Chat bei der ERGO Direkt

Donnerstag, 1. April 2010

 
Der Service-Bereich unterliegt einem stetigen Wandel, getrieben von sich ständig ändernden Kundenanforderungen und technologischen Neuerungen. Self-Service in Wechselwirkung mit Interaktionstechnologien ist ein Dauerthema in der Branche. Doch neben dem reinen Self-Service gibt es auch hybride Ansätze wie die Online-Beratung. Ein bislang nur wenig analysierter Kommunikationskanal ist der sogenannte Chat oder Live-Chat. Beim Chat kommuniziert der Kunde mit dem Agenten über Textnachrichten, die in Echtzeit übermittelt werden. Damit vereint der Chat die Hauptmerkmale von E-Mailing und Telefonaten: Er ist rein textbasiert wie die E-Mails und er läuft in Echtzeit ab, wie ein Telefonat.
 
Immer mehr Unternehmen bieten ihren Kunden den Chat als Interaktionskanal an, darunter auch die Behörde Deutsche Rentnversicherung, die Firma Globetrotter und seit gut einem Jahr auch die ERGO Direkt. Ich starte einen Selbstversuch.

 

 
Auskunft per Chat – ein Selbstversuch
Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Methoden, die Interaktion einer Technologie zu testen: Konfirmatorisch, anhand vorgegebener Usability-Guidelines, oder explorativ, aus Nutzersicht. Da das Medium neu ist, entscheide ich mich für Letzteres – also erst die Rolle eines “naiven” Nutzers einnehmen und hinterher aus Expertensicht auswerten. Dabei dürfte mir die Rolle eines naiven Nutzers nicht gerade leicht fallen, gebrauche ich den Live-Chat bei meiner täglichen Arbeit doch relativ häufig. Vielleicht hilft ein neuer Name dabei, besser in die Nutzerrolle zu finden, denke ich, und nenne mich kurzerhand Volker Müller.
 
Als Erstes muss ein Thema und Fragen dazu her. Ich entscheide mich für die Zahn-Zusatzversicherung und suche Informationen zusammen – wie ein typischer Online-User. Der Self-Service scheint auf den ersten Blick relativ fortschrittlich, die Seite ist übersichtlich designed. Zum Beispiel können individuelle Leistungspakete sehr einfach und intuitiv selbst zusammengestellt werden. Trotzdem entstehen schon bald die ersten Unklarheiten und Fragen: Was genau ist der Unterschied zwischen “Zahnerhalt” und “Zahnersatz”? Sind einfache Zahnreinigungen ebenfalls enthalten? Sind Leistungspakete von der Stange günstiger als individuell zusammengestellte? Und zahlt die Versicherung auch für Schäden, die schon vor Vertragsabschluss diagnostiziert wurden? Stoff genug für eine Anfrage via Live-Chat.
 
Alle Kontaktmöglichkeiten, so auch der Live-Chat, sind auf der Seite ständig präsent, wohin man auch surft. Das macht den Zugang sehr einfach:
 
BP_Chat_fig1
Bevor der Chat startet, werde ich aufgefordert, meine Frage und meinen Namen einzugeben. Das ist sicher ökonomischer als direkt mit dem Chat zu beginnen: Der Agent kann sich auf das Gespräch vorbereiten und direkt einsteigen – und außerdem fallen die üblichen Begrüßungsformeln weg. Während der Agent also vermutlich seine Vorbereitungen trifft, werde ich mit einer automatisch generierten Grußformel Willkommen geheißen:
 
BP_Chat_fig3
Meine Frage lässt es schon erahnen – das Formulieren des Anliegens ist schon ein gutes Stück Arbeit: Denn abgesehen davon, dass ich eigentlich mehrere Anliegen habe, muss man sich als Kunde hier erstmal klar werden, was man möchte und dies auch noch verständlich formulieren. Bei einem Telefongespräch ist es einfacher. Da sind die Wechsel kürzer, der Agent denkt von Anfang an mit und steuert das Gespräch in die richtigen Bahnen. Ich formuliere meine Frage also halbherzig und verlasse mich darauf, alles Weitere im Gespräch zu klären.
 
Schon bald meldet sich die Kundenmitarbeiterin und gibt direkt Auskunft zu meiner Frage, indem sie “Zahn-Ersatz” näher definiert. Das ist ein Anfang und es spinnt sich ein Gespräch, bei dem ich mich stets bemühe, die Perspektive des naiven Nutzers beizubehalten. Innerhalb weniger Minuten habe ich alle Informationen beisammen. Jetzt schalte ich wieder den Expertenmodus ein und versuche, weitere Informationen zu erlangen: Ob denn viele Kunden den Chat nutzen würden. “Selbstverständlich!” erscheint es auf dem Bildschirm. Und ob sie denn mehrere Chats gleichzeitig bearbeiten könnte. Das käme darauf an, entgegnet mir meine Chat-Partnerin und gleich darauf folgt: “Haben Sie denn noch weitere inhaltliche Fragen?” Die klassische, zielgerichtete Gesprächsführung. Ich bedanke mich und beende das Gespräch. Ich kann nicht umhin, mich etwas vor den Kopf gestoßen zu fühlen, gleichzeitig bin ich aber beeindruckt von der Schnelligkeit und der Kompetenz. Ausreichend Stoff also für eine nachgelagerte Analyse, auf die ich mich sehr freue.

 

Mehrwert aus Anbietersicht
Eine Frage, die sich mir sofort stellt: Weshalb bietet ein Unternehmen einen Live-Chat an? Besteht auf Kundenseite wirklich ein so hoher Bedarf, möchte man fortschrittlich erscheinen oder geht es hier auch um Einsparungen? In einer Branche, in der Anrufervorqualifizierungen vorgenommen werden, um pro Anruf um die 30 Sekunden Gesprächszeit zu sparen, muss Ökonomie doch eine entscheidende Rolle spielen. Also, trägt sich dieses Konzept tatsächlich und wie wird die Erfolgsquote messen? Hat der Kunde eine Frage, die sofort beantwortet werden kann, ist der Chat sicher ökonomisch, und kommt einer unmittelbar beantworteten EMail gleich, ideal für Kunde und Unternehmen also. Aber wie viele Anfragen lassen sich direkt, also „one-shot“, oder in 2-3 nachfolgenden „Turns“ beantworten? Mein Anliegen jedenfalls nicht, hier war eine ausführlichere Beratung erforderlich. Und diese Anliegen dürften doch häufiger sein, One-Shot-Antworten sollten sich eigentlich komplett über den Self-Service erledigen lassen, sofern dieser gut designed ist.
 
Kann ein Mitarbeiter mehrere Chats gleichzeitig bearbeiten? Oder nebenbei Anfragen per EMail klären? Und wie brauchbar sind vorformulierte Antworten aus der Datenbank? Einige Antworten legen jedenfalls die Vermutung nahe, dass Datenbank-Ressourcen genutzt werden:
 
***
Volker Müller: Aha, Danke. Und die Inlays zählen dann aber zum Zahnerhalt?
 
A. Osthoff: Unsere Zahn-Erhalt Versicherung leistet 100 % der verbleibenden erstattungsfähigen Aufwendungen für Einlagefüllungen (Inlays/Onlays), Kunststofffüllungen, Knirscherschienen und die damit verbundenen zahntechnischen Laborarbeiten und Materialien sowie die damit verbundenen funktionsanalytischen und funktionstherapeutischen Leistungen.
***
 
Hier könnte auch unterstützende Technologie zum Einsatz kommen: Auf Basis meiner Frage werden möglicherweise automatisch Datenbanksuchen angestoßen – und meine Gesprächspartnerin entscheidet, ob sie die Resultate in den Chat mit einbinden möchte. Mit einer richtigen Arbeitsumgebung und den richtigen Technologien also sollte sich der Chat-Kanal aus ökonomischer Sicht für die Unternehmen lohnen.

 
Mehrwert aus Kundensicht
Eine Beratung via Live-Chat – kann man da überhaupt auf individuelle Bedürfnisse eingehen? Komplexe Anliegen lassen sich sicher nicht so einfach und effizient erklären und analysieren wie per Telefon. Die Sprecherwechsel (“Turn-Takings”) sind langsamer und schwieriger, das erschwert es, gemeinsam Thematiken zu erschließen. Hier könnte die Option Abhilfe schaffen, die Unterhaltung im Notfall per Telefon fortzusetzen – bislang nicht im Chat integriert.
 
Gegenüber einer zeitlich asynchronen E-Mail-Kommunikation bietet der Chat aber durchaus einen Mehrwert und schließt dabei die Vorteile des E-Mailings mit ein. Hier ist in erster Linie die Nachhaltigkeit der Informationen zu nennen. Anders als bei einem Telefonat gehen gegebene Informationen nicht wieder verloren, sondern sind “auf Papier” gebannt. Ein weiterer Vorteil gegenüber einem Telefonat: Weiterführende Dokumente oder Verweise können sehr einfach zu Verfügung gestellt werden. Das kürzt das Gespräch ab, der Chat wird so zu einer puren menschlich gesteuerten Datenbanksuche, zu einem intelligenten Self-Service. Der Kunde kann die gegebenen Informationen im Nachhinein in Ruhe durchgehen:
 
***
Volker Müller: Gibt es denn sonst etwas, was Ihre Versicherung besonders macht? Stiftung Warentest zum Beispiel?
 
A. Osthoff: Einen Moment bitte.
 
A. Osthoff: hier klicken.
***

 
Usability & Interaktion
Viele Funktionen und Interaktionselemente werden nicht abgebildet, trotzdem gibt es Optimierungspotential. Eine Nachricht kann entweder durch Drücken der Return-Taste (ein Quasi-Standard beim Live-Chat) oder aber durch Drücken des Buttons “Senden” übermittelt werden. Zwar bin ich selbst geübter Chat-User – der explizite Button jedoch lässt mich unbewusst annehmen, die Return-Variante funktioniere nicht. Schwerwiegender ist jedoch die Ähnlichkeit und die Nähe zum Button “Dialog beenden”. So werden unnötigerweise Nutzer-Fehler evoziert, die zudem noch fatale Folgen hätten:
 
BP_Chat_fig2
Weiterer Kritikpunkt: Das Chat-Protokoll kann nicht heruntergeladen werden. Die genannten Vorteile der Nachhaltigkeit von Informationen verpuffen auf diese Weise – sofern der Nutzer nicht auf die Idee kommt, den Text auf umständliche Weise durch Markieren, Kopieren und Einfügen zu sichern.
 
Ebenfalls optimierungsbedürftig ist die Unterstützung der Turn-Taking-Rules: In gesprochener Kommunikation hören wir natürlich, wenn der Gesprächspartner gerade am Sprechen ist und können anhand von Gestik, Mimik und Intonation erkennen, wann wir an der Reihe sind. Diese Informationen fehlen im Chat, was potentiell Probleme mit sich bringt. Ein Feature, das hier Abhilfe schafft, sind systemseitige Signale, die anzeigen, dass der Gesprächspartner gerade eine Chat-Nachricht verfasst. Bei Skype ist es ein Stift-Symbol, hier ist es ein Text. Dieser Text ist jedoch viel zu wenig hervorgehoben (vgl. Bild oben) – Missverständnisse sind vorprogrammiert.

 
Linguistische Aspekte
Chat ist ein Medium, das sowohl Aspekte von schriftsprachlicher als auch von mündlicher Kommunikation aufweist. Die Chat-Sprache ist eher an der gesprochenen Sprache orientiert. Hürden sind dabei fehlende Parameter wie Intonation, Gestik und Mimik. Die Probleme des Turn-Takings wurde in diesem Zusammenhang bereits genannt. Ein anderes Problem ist der emotive Aspekt von Sprache: Die Stimme eines Menschen kann viele Aspekte von Emotionalität signalisieren. Sie kann z.B. Wärme ausstrahlen, Verständnis signalisieren oder Sicherheit und Zuversicht vermitteln. Dadurch sagt eine Stimme auch, wie das Gesagte gemeint ist. Sie hat metakommunikativen Charakter. In Alltags-Chats können Emoticons (Symbole wie Smileys oder Augenzwinkern) zur Metakommunikation verwendet werden – bei einem Service-Chat fallen auch diese Symbole weg, weil sie stilistisch nicht angemessen sind und für sie rein thematisch kaum Verwendung besteht. Dadurch wirken manche Äußerungen etwas schroff – selbst, wenn man sich als geübter Chatter der Fehlerquelle bewusst ist. Aber auch als Kunde ist es schwer, emotionale Nuancen zu signalisieren, z.B. sich für eine Information zu bedanken, weil sie weiterhilft und gleichzeitig weiterführende Information einzufordern. Denn dies wird meistens ebenfalls über Stimme und/oder Diskursmarker transportiert. Auf eben diese “Füllwörter” – und hier unterscheidet sich der Chat von der gesprochenen Sprache – wird im Chat gerne verzichtet.
 
***
Volker Müller: Gehört dazu auch die Zahnreinigung?
 
A. Osthoff: Zahnreinigung ist ebenfalls Zahn-Erhalt.
 
Volker Müller: Und da übernehmen Sie dann was genau?
***
 
In der gesprochenen Sprache würde hier ein “aha” mit entsprechender Betonung signalisieren, dass die letzte Information des Agenten nützlich war.
 
Ein anderer Aspekt ist die Textverständlichkeit. Aus Ökonomiegründen werden – wie beschrieben – Texte aus Datenbanken in den Chat kopiert. Diese Texte sind jedoch erstens nicht ausreichend auf Laien optimiert und zweitens notgedrungen nur bedingt an den Kontext angepasst. Das führt zu Verständnisproblemen, was die Kommunikation im Endeffekt wieder verlängern kann.
 
***
Volker Müller: Zahlt die Versicherung dann eigentlich direkt nach Vertragsabschluss? Also, angenommen, man hat da einen akuten Fall…
 
A. Osthoff: Eine Wartezeit besteht bei dieser Versicherung nicht. In den ersten vier Versicherungsjahren gelten je Tarif folgende Höchstleistungsgrenzen:
im ersten Versicherungsjahr: 250,00 Euro
innerhalb der ersten beiden Versicherungsjahre zusammen: 500,00 Euro
innerhalb der ersten drei Versicherungsjahre zusammen: 750,00 Euro
innerhalb der ersten vier Versicherungsjahre zusammen: 1.000,00 Euro

 
Bei einem Unfall entfallen diese Jahreshöchstsätze. Bitte beachten Sie folgenden Hinweis:Vom Versicherungs-Schutz ausgeschlossen sind die bei Vertragsabschluss fehlenden, noch nicht ersetzten Zähne und deren Zahnersatz sowie die bei Vertragsabschluss bereits begonnenen oder angeratenen Zahnersatzmaßnahmen.
***
 
Dieses Beispiel zeigt auch, dass komplexe Sachverhalte sich nur schwer via Chat erörtern lassen, hier bietet das Telefon deutliche Vorteile.

 
Fazit
Der Live-Chat scheint sich langsam aber sicher in der Kundenkommunikation zu etablieren und wird mit der heranwachsenden Generation der Millennials und technologischen Fortschritten sicher weiter Verbreitung finden. Die Handhabung der dazugehörigen Kunden-Software ist relativ einfach, da nicht viele Funktionen abgebildet werden müssen. Die Hürden liegen im Medium selbst: Um Effektivität zu gewährleisten, kommt der Agent nicht drum herum, vorhandene Datenbank-Ressourcen zu nutzen. Dies wiederum erfordert eine unterstützende Technologie mit ausgereifter Textanalyse und intelligenter Datenbank-Suche – eingebettet in eine ergonomische Agenten-Software. Die verwendeten Datenbank-Texte müssen außerdem auf den Kunden optimiert werden: Texte, die nur von Fachleuten ad hoc verstanden werden können sind insbesondere für eine Echtzeit-Kommunikation per Chat ungeeignet.
 
Die angesprochenen linguistisch-emotiven Probleme lassen sich durch entsprechende Kommunikationsguidelines lösen. Unternehmen können so eine eigene Chat-Sprache etablieren, die sich sowohl von gesprochener als auch von geschriebener Sprache asynchroner Medien (z.B. E-Mail) unterscheidet. Zugute kommt hier vermutlich künftig die zunehmende Verbreitung des Chats: Je mehr sich der Nutzer an ein Medium gewöhnt, umso mehr gewöhnt er sich auch an die dazugehörige Sprache bzw. gestaltet sie selbst mit.

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Ästhetisches Know-how. Sprache – Technologie – Medialität

Donnerstag, 4. Februar 2010

 
Für ihr zweijähriges Forschungsprojekt “Ästhetisches Know-how. Sprache – Technologie – Medialität” führten Wissenschaftlerinnen des Instituts für systemische Medienforschung – LOOP. in Wien 15 Interviews mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit der ästhetischen Gestaltung von Texten beschäftigen.

“Erleben Sie Sprache mit allen Sinnen! Jedes Sprachmedium zeigt auf seine Weise, dass die sinnliche Erfahrung der Wirklichkeit die Grundlage der sprachlichen Abstraktion ist. Stimme, Schrift, Tonaufzeichnung und Video sind sowohl das Thema der Studie als auch die Medien des Forschungsprojekts. Sehen, hören und begreifen Sie selbst!


“Grundsätzlich werden Texte in sechs Sprachmedien gestaltet und wahrgenommen”, erklärt Projektleiterin Katharina Gsöllpointner gegenüber derStandard.at. Dazu gehören Stimme, analoge und digitale Aufzeichnung der Stimme, Handschrift, Druckschrift und Digitalschrift. Die Wahrnehmung von Texten passiert “multimodal”, das heißt in diesem Fall mit fünf Sinnen. Schriftliche Texte werden also nicht nur visuell, sondern zum Beispiel auch auditiv oder haptisch wahrgenommen, mündliche Texte etwa auch in ihren kinästhetischen (“fließend”) oder visuellen Eigenschaften (“dunkle Stimme”). “KünstlerInnen nutzen diese Wahrnehmungsmodalitäten, um bestimmte Aspekte der Textbedeutung durch Medien, Materialien und Techniken ‚aufzuladen‘”, erklärt Gsöllpointner. “Sie tun dies besonders, indem sie ihre Texte und Kunstwerke medienreflexiv gestalten.”

 
Die Forschungsergebnisse lassen sich mit allen Sinnen auf der Projekthomepage www.sprachmedien.at aktiv ausprobieren und genießen.

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Was ist denn mit: “Mach mal dat Fenster hinter rechts ‘n Spalt auf!”?

Dienstag, 18. August 2009

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Sprachwissenschaft und Web 3.0

Mittwoch, 25. Juni 2008

Am 17. Juni wurden in Berlin die Preisträger des THESEUS Talentwettbewerbs ausgezeichnet.

Der vom THESEUS-Programm ausgerufene Wettbewerb – unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) – richtete sich an freie Entwickler, Wissenschaftler, Studenten und Schüler, die Konzepte und Anwendungen für das “Internet der Zukunft” entwickeln sollten.

Aus mehr als 180 Bewerbungen wurden die Preisträger ermittelt. Am besten kam bei den Juroren das Projekt der Sprachwissenschaftsstudentin Sonja Kraus an.

Kraus’ Beitrag beschäftigte sich mit dem Tagging (Schlagwortvergabe durch Nutzer), insbesondere damit, wie Nutzern automatisch Vorschläge für semantisch relevante Tags gemacht werden können.

Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Direktor des DFKI und Laudator bei der Preisverleihung: “Sonja Kraus hat mit ihrer Einreichung einen interessanten Beitrag zur Entwicklung des THESEUS-Projekts geliefert. Durch den Einsatz von Tagging und einer einfachen Handhabung durch die Nutzer wird es leichter möglich sein, Internetinhalte nach semantischen Kriterien zu klassifizieren.”

Bislang sind die Wettbewerbsbeiträge weder von den Preisträgern noch vom THESEUS-Programm veröffentlicht worden. Sollte sich das ändern, dann gibts auch hier mehr Informationen dazu.

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Schneller und besser navigieren mit Spearcons?

Dienstag, 22. April 2008

Um die Navigation zu erleichtern, werden häufig gerne Audio-Elemente verwendet. Sie finden nicht nur Verwendung in Sprachdialogsystemen, sondern auch in GUIs, die unter erschwerten Bedingungen genutzt werden – zum Beispiel bei Mobile Devices (kleines und weniger handliches Display) oder bei Systemen in Fahrzeugen (schwierige Nutzungssituation).

Bisher gab es nur zwei Arten von Audio-Elementen – die Audio-Icons und die Earcons. Die Audio-Icons haben den Vorteil, dass sie sehr leicht erlernbar sind, weil sie konkrete Aktionen oder Items direkt illustrieren (z.B. Geräusch von Papier-Zerknüllen beim Bewegen in den Papierkorb). Leider sind die meisten Aktionen, wie z.B. „Datei löschen“, nicht durch ein Audio-Icon illustrierbar. Hier kommen stattdessen die Earcons zum Einsatz. Earcons können theoretisch jeden erdenklichen Vorgang beschreiben. Außerdem können sie systematisch variiert werden und so durch klangliche Ähnlichkeit auch Ähnlichkeit in der Funktion ausdrücken. Auf der anderen Seite ist jedoch der Zusammenhang zwischen Earcon und Funktion recht willkürlich und daher schwerer zu erlernen.

Vor kurzem hat nun das Sonification Lab am Georgia Institute of Technology um Bruce N. Walker ein neues Audio-Element entwickelt, welches die Vorteile von Audio-Icon und Earcon einen soll – das Spearcon. Ein Spearcon ist gesprochene Sprache, die rund 40-50% schneller abgespielt wird als normale Sprache. Zwar klingen Spearcons recht gewöhnungsbedürftig, haben aber tatsächlich viele Vorteile: Sie sind einfach zu produzieren, werden wesentlich schneller erlernt als Earcons und sie einen alle Vorteile: Sie können – wie die Earcons – systematisch variiert werden und sind – wie die Audio-Icons – zumindest teilweise ikonisch: Ähnliche Aktionen haben auch ähnliche klingende Spearcons (vgl. „save“, „save as“, „save as webpage“). Gleichzeitig steht die unterschiedliche Länge von Spearcons ikonisch für die Detailliertheit der Operation.

Unklar bleibt der Vorteil von Spearcons gegenüber normaler Sprache. Die Erfinder der Spearcons argumentieren hier hauptsächlich mit dem Faktor Schnelligkeit: Da Spearcons kürzer sind, könne man mit Ihnen auch schneller navigieren. Allerdings zeigen Experimente hier kaum nennenswerte Unterschiede. Und ob Spearcons auch bei einem reinen VUI, ohne grafische Interaktionsmöglichkeit, vorteilhaft sind, bleibt ebenfalls fraglich.

Mehr Infos direkt auf der Homepage des Sonification Lab.

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ELIZA … A Computer Program for the Study of Natural Language Communication Between Man and Machine

Sonntag, 9. März 2008

“Hello. I am ELIZA. How can I help you?”

I don’t know.

Why do you not know?”

1966 entwickelte Joseph Weizenbaum ein rudimentäres Dialogsystem, das verschiedene Gesprächspartner simulieren sollte. Am weitesten verbreitet ist wohl die Version: ELIZA als Psychotherapeut(in).

Bei der Gesprächstherapie verwendet Therapeut(in) ELIZA schlicht Teile der Äußerungen des menschlichen Patienten, kleidet sie ggf. in Frageform und simuliert so eine Reaktion auf den Dialogpartner.

Weizenbaum wählte die Rolle des Psychotherapeuten, weil es diesem möglich sei, ohne Weltwissen glaubwürdig zu kommunizieren: “Wenn der menschliche Gesprächspartner den Satz ‘Ich bin mit dem Boot gefahren’ äußert und der Computer antwortet darauf ‘Erzählen Sie mir etwas über Boote’, wird der Mensch nicht annehmen, dass sein Gesprächspartner kein Wissen über Boote besitzt.”

Nicht zuletzt aufgrund der Reaktionen auf ELIZA entwickelte sich Weizenbaum nach und nach vom Computerwissenschaftler zum Computerkritiker (1972 “Alptraum Computer”, 1976 “Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft”): “Der meiste Schaden, den der Computer potenziell zur Folge haben könnte, hängt weniger davon ab, was der Computer tatsächlich kann oder nicht kann, als vielmehr von den Eigenschaften, die das Publikum dem Computer zuschreibt. Der Nichtfachmann hat überhaupt keine andere Wahl, als dem Computer die Eigenschaften zuzuordnen, die durch die von der Presse verstärkte Propaganda der Computergemeinschaft zu ihm dringen. Daher hat der Informatiker die enorme Verantwortung, in seinen Ansprüchen bescheiden zu sein.”

Am 5. März ist Joseph Weizenbaum im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben.

///

Sprich mit ELIZA:

auf Deutsch
auf Englisch

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Mehr als die Summe der einzelnen Teile

Donnerstag, 26. Juli 2007

„Die Bedeutung eines komplexen Ausdrucks ist gleich die Bedeutung seiner Einzelteile und deren Relationen zueinander.“ (Frege-Prinzip).

Ein simples und einleuchtendes Prinzip, das vermuten lässt, natürliche Sprache ließe sich verhältnismäßig einfach auf rein formale Weise modellieren. Dass dies so nicht sein kann, zeigt allein die Tatsache, dass die Sprachtechnologie derzeit weit hinter den sprachlichen Fähigkeiten des Menschen zurückbleibt.

Zwar ist das Frege-Prinzip für sich genommen korrekt – die entscheidenden Fragen jedoch lassen sich alleine durch unser Wissen über die Dinge („Weltwissen“) beantworten:
Welche Relationen werden bei welchen Einzelteilen zugrunde gelegt und welchen Einfluss haben diese Relationen wiederum auf die Bedeutungen der Einzelteile? Ein kurzes Beispiel:

Eine „Haustür“ ist eine Tür, die ein Haus verschließt. Aber eine „Holztür“ ist keine Tür, die Holz verschließt, sondern die aus Holz besteht. Eine „Schwingtür“ besteht weder aus Schwing, noch verschließt sie selbiges, sondern sie schwingt, wenn Sie geöffnet wird. Eine Katzentür ist keine Tür, die aus Katzen besteht oder Katzen unter Verschluss hält, sondern eine Tür für Katzen, die außerdem mehr eine Klappe ist als eine Tür, verglichen mit einer Haustür (leicht andere Bedeutung von „Tür“) …

Natürliche Sprache ist untrennbar verknüpft mit unserem Wissen über unsere Umwelt, unsere Sicht auf die Dinge, unserem Selbstverständnis, unserer Kultur. Eine formale Modellierung ist daher immer bruchstückhaft und sehr auf einen Anwendungsbereich beschränkt.

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